Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

BEM -Teil 4: Die sieben Sätze – und das Protokoll, das nie geschrieben wurde

Wir sind inzwischen bei Teil 4 dieser BEM-Serie – und heute geht es um das Dokument, das mir im Gespräch vom 14. Mai 2024 vorgelegt wurde.

Sieben Sätze (hier zum Nachlesen: 14.05.2024_BEM Gespräch_Schmitt_AMIS_geschwärzt).
Kein Protokoll. Kein Verfahren. Kein Nachweis. Keine Evaluation – so wie es verpflichtend vorgeschrieben ist.
Stattdessen: ein lose formuliertes Blatt Papier, unterschrieben vom Schulleiter – und nicht von mir.

Nicht aus Trotz. Sondern weil es kein BEM im Sinne des Gesetzes war.
Weil diese sieben Sätze keine Grundlage bieten. Und weil ich mich ehrlich gefragt habe:

Sollte dieses Papier mich schützen – oder ihn?


Die sieben Sätze – und warum sie nicht tragen

  1. Keine Person redet vor dem Kollegium negativ über die andere.
    → Ich war im Zeitraum September 2023 bis Mai 2024 gar nicht im Dienst. Ich hatte weder Kontakt zu meinen Kollegen – der Schulleiter hatte mich in der ersten Konferenz als Gefahr dargestellt. Warum also dieser Satz? Konnte mich also nicht betreffen…
  2. Kontakte zwischen den Personen werden – soweit dienstrechtlich möglich – reduziert.
    → Kontakte gab es keine. Es war längst eine vollständige Trennung erfolgt – durch das Verbot der Dienstausübung seit September.
  3. Allgemeine Kommunikationsregeln werden eingehalten.
    → Gerne. Aber Kommunikation setzt Antworten voraus. Ich habe geschrieben – und keine Antwort bekommen.
  4. Grenzen des anderen werden wahrgenommen.
    → Meine Grenzen wurden über Jahre hinweg überschritten. Der Unterrichtsbesuch während meiner medizinischen Wiedereingliederung ist nur ein Beispiel – so etwas ist nicht zulässig.
  5. Die Vergangenheit soll ruhen.
    → Nein. Wer heilen will, muss erinnern dürfen. Aufarbeitung ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für eine Zukunft.
    Verdrängung macht krank – und schützt meist nur die, die Verantwortung tragen müssten.
  6. Dienstrechtliche Themen sind auf dem vorgesehenen Dienstweg zu regeln.
    → Das habe ich getan. Und wurde ignoriert.
    Meine Mails nach dem Gespräch blieben unbeantwortet – bis heute.
    (Anlage: BEM-Korrespondenz_geschwärzt)
  7. Keine Ausweitung auf andere Personenkreise oder Öffentlichkeit.
    → Ich war über Jahre hinweg faktisch isoliert. Ich war seit März 2021 gerade einmal ca. 45 Tage im Dienst. Ich konnte nichts „ausweiten“…

Ein Schulleiter unterschreibt – und hält sich selbst nicht daran

Das Absurde:
Unterschrieben hat der Schulleiter.
Aber genau er war es, der gegen zentrale Inhalte dieses Dokuments verstoßen hat.
Vor allem gegen die Punkte 3 und 6 – „Kommunikationsregeln“ und „Dienstweg“ – hat er sich nicht gehalten.
Ich habe geschrieben. Er hat geschwiegen. Das ist auch eindrucksvoll belegt, durch die Kommunikation, die nach dem 26.06.2024 erfolgte – der Schulleiter ignorierte meine Rückfragen einfach (Fristensetzung_Juni_August_2024_geschwärzt)

Warum?
Weil Schweigen schützt. Schweigen verhindert Nachfragen. Schweigen verhindert Evaluation.

Und genau das ist der Punkt:
Ein echtes BEM braucht Dokumentation. Protokollierung. Evaluationsvereinbarungen.
Das ist kein „Nice to have“, sondern rechtlich verpflichtend:

Art. 26 BayBG Rn. 6a (Weiß, Niedermaier/Summer):
„Die Durchführung von Präventionsmaßnahmen und ihre Ergebnisse sind zu dokumentieren (…). Gleiches gilt für die Durchführung des ‚BEM‘ (…).“

Doch der Schulleiter hat sich weder für die Dokumentation zuständig gefühlt, noch je gezeigt, dass er weiß, was ein BEM überhaupt bedeutet.


Bei uns hat er nie ein BEM durchgeführt – ich war der Erste, der es versuchte

An unserer Schule hat dieser Schulleiter noch nie ein BEM durchgeführt – obwohl wir viele langfristig erkrankte Lehrkräfte hatten – ich war Personalratsvorsitzender – ich weiß das.
Ich war der Erste, der es eingefordert, vorbereitet und mitgestaltet hat.
Ich habe ihm sogar die Grundlagen erklärt – mit Gesetzestexten, Kommentaren, Stellungnahmen.

Und was kam zurück?

Ein leeres Papier mit sieben Sätzen. Ohne Substanz. Ohne Protokoll. Ohne Wirkung.


Inzwischen ist er versetzt worden.

Vielleicht hat ihm das Ministerium beigebracht, wie ein BEM funktioniert.
Denn bei uns, an dieser Schule, war ich der Einzige, der es ihm beigebracht hat.
Und das ausgerechnet als betroffene Lehrkraft.

BEM – Teil 3

BEM – Teil 2

BEM – Teil 1

Das BEM-Verfahren – so ist es gesetzlich vorgeschrieben