Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Teil 2 – Wie Kontrolle Vertrauen ersetzt

Von 2004 bis 2015 war ich Lehrer mit Leib und Seele.
Ich habe die Schule nicht nur erlebt – ich durfte sie mitgestalten.
Ich war voller Begeisterung, voller Tatkraft. Schule war für mich nicht nur Beruf, sondern Berufung.
Ich habe Räume geschaffen, Vertrauen aufgebaut, Verantwortung übernommen.
Ich war Teil eines Systems, das ich mitgestalten wollte – im besten Sinne.

Ab 2012 begann sich etwas zu verändern.
Zunächst war es kaum greifbar – ein schleichender Prozess.
Ein feiner Riss im System, den man noch ignorieren konnte.
Ein Ton, der anders war. Entscheidungen, die nicht mehr nachvollziehbar waren.
Einflussnahmen, die nicht offen ausgesprochen wurden – aber spürbar waren.

Dann kam 2015.
Mit einer Veränderung in der Führungsebene wurde aus dem leisen Riss ein Bruch.
Strukturen veränderten sich.
Die Haltung von oben veränderte sich.
Es wurde nach oben gearbeitet – nicht mehr gemeinsam nach vorne.
Und das, was einst getragen war von Vertrauen und Gestaltung, wurde ersetzt durch Kontrolle, Machterhalt und Ausgrenzung.

Genau das werde ich auf diesem Blog erzählen – Schritt für Schritt, chronologisch, nachvollziehbar.
Nicht aus Trotz. Nicht aus Verbitterung.
Sondern weil es gesagt werden muss.
Für mich. Für die Schüler*innen, die betroffen waren.
Und für ein System, das sich selbst gefährdet, wenn es sich dem Dialog verweigert.

Denn: Die Skandale, die ich erlebt habe, sind real.
Sie betreffen nicht nur eine Schule.
Sie reichen bis ins Ministerium.

Und das eigentliche Problem beginnt dort,
wo man nicht handelt.
Wo man weghört.
Wo man über Menschen spricht,
statt mit ihnen.


Es geht um Recht – nicht nur um meines

Ich habe oft gehört, es handle sich um „gefühltes Unrecht“.
Aber was ich erlebt habe, war tatsächliches Unrecht.

Nicht nur mir gegenüber.
Sondern auch:
– gegenüber Schülerinnen, die systematisch benachteiligt wurden – mit der grotesken Begründung:
„Wir seien die einzigen in Bayern, die es richtig machen.“
– gegenüber Kolleg
innen, die ohnmächtig miterlebten, wie Entscheidungen über Köpfe hinweg getroffen wurden.
– gegenüber einem Menschenbild, das nicht von Vertrauen, sondern von Kontrolle geprägt war.

Ich habe nicht rebelliert.
Ich habe reagiert.
Ich habe nicht gestört.
Ich habe hingeschaut.

Weil ich fühle.
Weil ich spüre.
Und weil ich weiß, was richtig ist – und was falsch.
Nicht nur emotional.
Sondern auf Basis von Werten, Gesetzen und einem tiefen Sinn für Verantwortung.

„Ich beginne nicht mit dem, was schmerzhaft war.
Ich beginne mit dem, was schön war.
Denn wer das Licht nicht kennt, kann den Schatten nicht begreifen.“

Ausblick

Und morgen geht es weiter.
Dann schreibe ich über mein ganz persönliches Angebot an das Staatsministerium.
Nicht aus Trotz. Nicht als Kampfansage.
Sondern als Einladung.

Eine Einladung zum Gespräch.
Auf Augenhöhe.
Ehrlich. Respektvoll.
Denn: Solange noch gesprochen werden kann, ist Veränderung möglich.

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Und du?

Welche Erfahrungen hast du mit Schule gemacht – als Schülerin, als Lehrerin, als Elternteil?
Gab es für dich auch diese leisen Risse?
Momente, in denen sich etwas verschoben hat – ohne dass man es sofort benennen konnte?

Ich freue mich, wenn du in den Kommentaren etwas von dir teilst.
Ob groß oder klein, ob schmerzhaft oder schön –
deine Perspektive zählt.

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