Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Zwischenkapitel: Ich war nicht zu viel – ich war nur ehrlich

Wenn Betroffene versuchen andere Betroffene zu beschämen

Ausgangspunkt: Ein persönlicher Text

Ich hatte in einer Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen etwas geteilt.
Etwas Persönliches.
Etwas Echtes.

Ein paar Zeilen über meine histrionische Persönlichkeitsstruktur, meine innere Kind-Arbeit, meine Depression – und über den Wunsch, gesehen zu werden.
Nicht aus Geltungsdrang. Sondern aus Reflexion. Aus Verstehenwollen.
Ein Versuch, mich sichtbar zu machen – nicht größer, sondern wahrer.
Die Reaktion?
Zunächst: Ernüchterung.
Dann: Abwertung.
Und schließlich: ein regelrechter digitaler Angriff – unter dem Deckmantel „klarer Worte“.

Der erste Kommentar:

„Wenn ein Mensch noch keine Depression hat, muss er nur deine Posts lesen; dann ist er depressiv!“

Eine bewusste Abwertung – verpackt als lockerer Spruch.

Dann folgten Zuschreibungen:

„Histrionik – das bedeutet Egozentrik, Dramatik, Manipulation, Inszenierung.“

Ich kannte die Worte – und wusste sofort:
Hier spricht niemand über mich,
sondern jemand über ein eigenes Bild, das mit mir nichts zu tun hat.

Und schließlich:

„Die Eltern solcher Kinder sind nicht zu beneiden.“

Ein Satz, der nicht analysiert – sondern entmenschlicht.
Und ja – ich hätte mich früher getroffen.
Heute habe ich verstanden: Diese Worte richten sich nicht gegen mich – sie entlarven die Haltung dahinter.
Eine Haltung, die andere klein machen muss, um sich überlegen zu fühlen.

Danach:

„„Bei dir ist mehr zu behandeln als eine Depression.“
„Du verdrehst Fakten, deutest Ratschläge um.“
„Toxische Menschen lasse ich nicht an mich heran.“

Ich staunte.
Nicht über den Inhalt – sondern über den Hass, der darin mitschwang.
Es war, als müsste ich zum Schweigen gebracht werden.
Nicht aus Sorge – sondern aus Unfähigkeit, Nähe auszuhalten.

Analyse: Was war das?

Es war kein Gespräch.
Es war kein Feedback.
Es war eine Projektion – mit Wucht.

Fünf Muster wurden dabei sichtbar:

  1. Gaslighting
    – „Ich sage nur Fakten.“
    – „Wenn du dich verletzt fühlst, ist das dein Problem.“
  2. Abwertung unter Betroffenen
    – „Du passt hier nicht her.“
    – „Du bringst andere runter.“
  3. Moralische Überhöhung
    – „Ich stehe über den Dingen.“
    – „Du suchst nur Aufmerksamkeit.“
  4. Psychologisierung ohne Grundlage
    – „Du hast verstandesmäßige Defizite.“
    – „Du bist toxisch.“
  5. Entwertung der eigenen Resonanz
    – „Niemand reagiert auf dich – das sagt alles.“

Meine Antwort?

Ich habe geantwortet.
Nicht impulsiv, nicht wütend – sondern klar. Ruhig. Wahrhaftig.

„Ich empfinde deine Nachricht als massiv grenzverletzend.
Was du mir unterstellst, zeigst du selbst – in Ton, Inhalt und Haltung.
Mich interessiert weniger deine Diagnose über mich als vielmehr deine Motivation, so feindselig zu reagieren.“

Und am Ende:

„Ich habe niemanden gezwungen, zu kommentieren.
Vielleicht sagen deine Reaktionen mehr über dich aus als über mich.“

Was ich daraus gelernt habe:

  • Nicht jeder Raum, der „Selbsthilfe“ heißt, ist ein sicherer Raum.
  • Nicht jeder Mensch, der selbst leidet, kann mit dem Schmerz anderer umgehen.
  • Und nicht jeder Kommentar verdient eine Reaktion – aber manche verdienen Sichtbarkeit.

Und deshalb schreibe ich das hier:

Weil ich weiß, dass viele Menschen – vielleicht auch du – solche „Kommentare“ kennen:

  • „Du willst doch nur Aufmerksamkeit.“
  • „Du bist zu dramatisch.“
  • „Deine Beiträge sind anderen nicht zumutbar.“
  • „Deine Geschichte interessiert niemanden.“

Wenn du das kennst – dann sage ich dir:

Du bist nicht zu viel.
Du bist nicht zu laut.
Du bist nicht falsch.

Du bist nur sichtbar geworden.
Und das ist für manche Menschen schwer auszuhalten.

Fazit:

Ich halte es am Ende ganz wie Captain Jack Sparrow, als man ihn den schlechtesten Piraten nannte:

„Mag sein – aber ihr habt von mir gehört.“

Und das genügt!

Wenn Du mehr erfahren willst – klicke einfach die einzelnen Texte durch!

Zwischenkapitel 1 – hier anfangen zu lesen

Meine Kindheit – von Anfang an

Was bedeutet histrionische Persönlichkeitsstörung

Über mich