Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Teil 1 – Wie alles begann

Von 2004 bis 2015 war ich Lehrer mit Leib und Seele.
Ich habe die Schule nicht nur erlebt – ich durfte sie mitgestalten.
Ich war voller Begeisterung, voller Tatkraft. Schule war für mich nicht nur Beruf, sondern Berufung.

Ich war Personalrat.
Ich war Verbindungslehrer.
Ich war Mittler, Begleiter, Möglichmacher.

Ich habe mit Schüler*innen Demokratie nicht nur erklärt – ich habe sie erlebbar gemacht.

Ich habe Schulprojekte geführt, Fahrten organisiert, Verantwortung übernommen, Räume eröffnet.
Ich habe alle Schulfeste geplant und durchgeführt, oft federführend.
Ich war derjenige, der Abschlussfahrten ermöglichte, auch wenn ich selbst keine 10. Klasse hatte.

Und ich war derjenige, der über 15 Skilager eigenverantwortlich organisiert und geleitet hat.

Die Skilager – das waren keine Pflichtveranstaltungen. Das waren Herzensprojekte.
Da war Gemeinschaft. Da war Aufbruch. Da war Freude in jedem Gesicht.
Jedes Jahr aufs Neue: Schüler*innen, die sich das erste Mal auf Skiern versuchen.
Die stürzen, lachen, aufstehen – und plötzlich wachsen.
Abende mit Spielen, Gesprächen, Schneeballschlachten.
Vertrauen, das auf Berghütten entsteht, wenn die Masken fallen und echte Begegnung möglich wird.
Ich habe dort Dinge erlebt, die Schule lebendig machen – zutiefst menschlich.
Das sind Erlebnisse, die bleiben. Ein Leben lang.

Ich habe Erlebnisse kreiert, weil ich überzeugt bin:
Lernen heißt erleben. Lernen heißt verbinden.

Ich habe Schulsportwettkämpfe organisiert – für den Landkreis, für den Bezirk. Nicht als Pflichttermin. Sondern als Erlebnis.

Ich habe gesehen, wie Schülerinnen über sich hinauswuchsen, wie aus müden Klassenzimmerkörpern plötzlich Athletinnen mit Feuer in den Augen wurden. Wie aus einzelnen Individuen ein Team entstand – voller Energie, voller Stolz.

Ich bin 200 Kilometer weit gefahren, nicht nur für einen Pokal, sondern für das leuchtende Gefühl, gemeinsam etwas geschafft zu haben. Und am Ende zu wissen:
Wir sind auf jeden Fall die zweitbeste Schulmannschaft in ganz Bayern.

Was für ein Moment! Diese Freude – sie war nicht gespielt. Sie war echt. Sie war Leben.

Das schafft Verbindung.
Das schafft Loyalität.
Das schafft Leidenschaft zur Schule.

Ich war Referent für die LASPO, dort speziell für Bewegungskünste und Jonglage – und das mit ganzem Herzen. Ich war Zweitprüfer an der Universität und durfte an Fortbildungen in Oberhaching mitwirken – mit leuchtenden Augen und leuchtenden Momenten.

All das gehört zu mir.
Das ist ein wichtiger Teil von mir.
Der wichtigste Teil vielleicht.
Und genau diesen Teil werde ich an den Anfang stellen.

Was nach 2012 geschah, kündigte sich zunächst nur leise an.
Ein feiner Riss im System, kaum sichtbar – aber spürbar.
Ein Ton, der anders war.
Ein Rhythmus, der nicht mehr stimmte.

Was nach 2015 kam,
was dann geschah –
das wird nachfolgen.

Vielleicht wird dieser Blog für manche Leser*innen erst ab 2015 interessant.
Auch das ist in Ordnung.

Aber ich werde mir selbst die Würde geben, mir das alles noch einmal zu schenken:
Was ich war.
Was ich gegeben habe.
Was ich gelebt habe.

Und genau deshalb wird dieser Blog in den nächsten Wochen ein Ort des Lichts sein.
Ich möchte ihn nutzen, um das Wunderbare in Schule zu zeigen.
Das, was funktioniert. Das, was inspiriert.
Die Oasen, die möglich sind – wenn man Vertrauen schenkt, Räume schafft und Menschen ernst nimmt.

Ich werde von diesen Momenten erzählen. Von Mut. Von Verbindung. Von Freude.
Von dem, was Schule sein kann – wenn man sie lässt.

Das Traurige, der Bruch, die Erfahrung von Unrecht – all das kommt.
Ja, es gibt ihn, den tiefen Einschnitt.
Aber noch nicht jetzt.
Denn wer das Licht nicht kennt, kann den Schatten nicht begreifen.

Und dann kam 2015.
Doch davon mehr – im nächsten Teil.
Also morgen!

Hast Du auch so wundervolle Erlebnisse als Lehrer oder Schüler gehabt? Dann hinterlasse doch einen Kommentar!

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2 Antworten zu „Teil 1 – Wie alles begann“

  1. Avatar von
    Anonymous

    Das Skilager – der Wendepunkt im Leben meines Sohnes.
    Schon seit dem Kindergarten war er anders, aber das hat nie wirklich jemand gesehen oder verstanden. Eingeschult obwohl mein Herz und mein Verstand wussten, dass es im Grunde falsch war, aber in Anbetracht der widrigen Umstände, das geringere Übel. Also keine guten Voraussetzungen. In der Schule dann die vermuteten Schwierigkeiten, Vorstellung bei der Schulpsychologin, mit Standardisiertem Verdacht auf ADS. Aber ich wusste, dass er einfach nur etwas mehr Zeit gebraucht hätte, jemanden der an ihn glaubt. Er kämpfte sich durch bis zur siebten Klasse. Dann zu Beginn der Achten, die bittere Erkenntnis, dass er es nicht schaffen würde. Es gab zwei Optionen: Schulwechsel in die Mittelschule oder freiwillige Wiederholung und Rückstufung in die siebte Klasse. Eine schwierige Entscheidung, bis die Lehrerin sagte, dass ein Wechsel in die niedrigere Klassenstufe günstig wäre, da die nächste Woche das Skilager stattfinden und da besser neue Kontakte geknüpft werden könnten. Da war ein Leuchten in den Augen meines Sohnes. Genau in dem Moment tauchte Herr Schmit auf: das Schicksal meinte es endlich gut mit uns. Genau kurz zuvor hatte sich ein Schüler einen Bruch zugezogen und war an der Mitfahrt verhindert. Somit war der Platz und der Weg frei für meinen Sohn. Ihm wurde ein Jahr geschenkt, ein Jahr, das er immer gebraucht hätte, keine Diagnose ADS, sondern einfach nur Zeit. Und nun hat er eine Ausbildungsstelle gefunden, die ihn wegen seiner Art und seines Könnens, nicht wegen seiner Noten, genommen hat. Er zählt zu den Besten und ist Ausbildungsscout, um andere Kids von dem Beruf zu überzeugen. Und das verdanken wir alles dem besten Lehrer der Welt und dem Skilager. Vielen Dank für das größte Geschenk, das meinem Sohn zuteil werden konnte

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  2. Avatar von Mathias Schmitt - Whistleblower

    Danke für diesen wundervollen Kommentar – so etwas heilt. ❤️‍🩹

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