Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Peter Riedl – mein Anker, mein Schutz, mein Maßstab

Es gibt Menschen, die man nie vergisst. Menschen, bei denen man gespürt hat: Ich bin gemeint. Ich werde gesehen. Ich darf wachsen.
Für mich ist einer dieser Menschen Peter Riedl.

Von 2006 bis 2012 war Peter Riedl mein Schulleiter. In dieser Zeit war er mehr als ein Vorgesetzter – er war Orientierung, „Oase“, Rückhalt.
Ein Mensch mit Haltung, mit Gerechtigkeitssinn, mit einem feinen Gespür für Menschen. Und auch mit Strenge – aber nie kalt. Nie willkürlich.
Er war klar. Und er war zutiefst menschlich.

Ich erinnere mich an mein Vorstellungsgespräch im Februar 2006. Ich war frisch aus dem Referendariat, und ich wusste: Ich werde Vater.
Als ich das erwähnte, sah er mich ruhig an und sagte diesen einen Satz, den ich bis heute in mir trage:
„Wissen Sie was, Herr Schmitt – die Familie ist das Wichtigste.“
Und das war nicht nur eine Floskel. Es war ernst gemeint. Ich habe es gespürt.

Peter Riedl hat gesehen, wenn man sich engagiert. Wenn man mit Schülern zu Wettkämpfen fährt, Bezirks- oder Landesfinals begleitet, spät abends zurückkommt.
Wenn man als Verbindungslehrer Projekte begleitet, Feste organisiert, Verantwortung übernimmt.
Er hat das nicht nur gesehen – er hat es gewürdigt. Man fühlte sich nicht ausgenutzt, sondern gesehen und getragen.

Gleichzeitig hat er die andere Seite gesehen. Wer Ruhe brauchte, wer Zeit für sich, für die Familie oder für Regeneration – der wurde nicht gebrochen, sondern geschützt. Keine Floskeln von „Burnout-Prophylaxe“.
Keine Marketingphrasen von „Gesundheitsmanagement“, sondern echte, gelebte Fürsorge.

Peter Riedl hat viel gefordert, aber nie überfordert.
Er hat Menschen gefördert – wenn er an sie glaubte.
Er hat insgesamt 10 Lehrkräfte in Schulleitungspositionen gebracht.

Weil er gespürt hat: Da ist etwas. Da will jemand. Und da kann jemand.
Auch mich fragte er – im Jahr 2009 – ob ich mir vorstellen könne, diesen Weg zu gehen.

Ich war jung. Mein zweites Kind stand bevor. Ich war künstlerisch unterwegs, idealistisch – und ängstlich.
Ich lehnte ab.
Und manchmal denke ich: Vielleicht wäre meine Geschichte anders verlaufen, wenn ich damals bereit gewesen wäre.
Denn eines habe ich seither erfahren:
Wer oben sitzt, wird geschützt. Wer unten sitzt, muss kämpfen.

Auch nachdem ich mich später ortsnah versetzen ließ, blieb mein Engagement für die Schule ungebrochen.
Ich organisierte weiterhin Fahrten, leitete AGs, begleitete Projekte, war für die Schüler da – mit voller Kraft.
Denn ja, man macht das für die Schüler. Für ihre Entwicklung. Für ihre Freude.
Und doch spürte ich mit der Zeit: Etwas veränderte sich.

Nicht bei den Schülern.
Nicht im Kollegium.
Aber im Verhalten des Schulleiters mir gegenüber.
Ich spürte: Es gibt eine Gängelung, die sich auf meine Person richtet.
Kleine Maßnahmen, unterschwellige Zweifel, zunehmende Kontrolle.
Nicht laut – aber gezielt. Nicht offen – aber spürbar.

Es war im Herbst 2018, als sich dieses Gefühl verdichtete.
Ich wusste: Das ist kein Einzelfall, keine Laune. Das ist systematisch.

Damals erhielt ich eine E-Mail vom Hauptpersonalrat.
Darin wurde mir sinngemäß mitgeteilt, dass der damalige Schulleiter unverhältnismäßig mit mir umgehe.
Und: Sollte keine Rückkehr zur Sachebene mehr möglich sein, sei darüber nachzudenken, eine Mediation einzuleiten.

Doch genau das geschah nicht.
Es gab seit 2018 zwei Gespräche – organisiert über die Schulberatungsstelle.
Aber eine neutrale, externe Mediation, wie ich sie immer wieder angefragt hatte, fand nie statt.
Die Beratungsstelle war dem Kultusministerium zugeordnet – nicht unabhängig.
Die Gespräche hatten keine verbindliche Struktur, keine rechtlich abgesicherte Neutralität.

Ich habe lange auf ein solches Verfahren gehofft.
Aber es kam nie.

Als ich mich später ortsnah versetzen ließ, wurde der Kontakt zu ihm selten. Ich habe mich kaum mehr gemeldet.
Erst als der Druck auf mich wuchs, als ich systematisch gegängelt wurde, mich ohnmächtig fühlte, suchte ich Ende 2018 wieder den Kontakt zu ihm.
Und er war da. Ohne Zögern. Ohne Vorwurf.
Mit offenem Ohr und klarem Verstand.
So, wie er es immer war.

Seitdem ist Peter Riedl mein Beistand.
Er weiß alles, was passiert ist.
Er war bei jeder Gerichtsverhandlung.
Er kennt jede Wendung, jedes Schreiben, jede Reaktion des Ministeriums.
Ich habe ihm stets meine Entwürfe vorgelegt – um rechtssicher zu bleiben.
Denn ich weiß: Fehler werden einem „unten“ nicht verziehen. Auch nicht die kleinen.
Aber wer oben sitzt, darf sie machen – das System deckt.

Er hat mich begleitet – fachlich, menschlich, ruhig.
Wir telefonieren bis heute fast täglich.
Er hat mir beigebracht, was Integrität heißt.
Dass Loyalität keine Einbahnstraße ist.
Dass auch Behörden zur Fürsorge verpflichtet sind – nicht nur in Sonntagsreden, sondern im Handeln.

Und ich habe auch gelernt:
Wenn man das System kritisiert, droht man als illoyal zu gelten.
Wenn man widerspricht – schriftlich, sachlich, sauber begründet – kommt: nichts. Schweigen.
Wenn man sich rechtlich wehrt, gilt man als unbequem.

Und irgendwann bleibt einem nur noch, was bleibt:
Peter Riedl.

Er ist Teil meiner Geschichte.
Mehr noch: Er ist Teil meines Überlebens.

Ohne ihn wäre vieles längst zerbrochen – oder sogar ich.
Dieser Text ist ein Versuch, Danke zu sagen.
Für seine Klarheit. Seine Menschlichkeit. Seine Menschlichkeit.
Für seine Präsenz. Und für seinen Glauben am Menschen.

Für seinen Mut, auf der Seite des Menschen zu bleiben.

Ich wünsche jedem im öffentlichen Dienst wenigstens einen Menschen wie ihn.

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Eine Antwort zu „Peter Riedl – mein Anker, mein Schutz, mein Maßstab“

  1. Avatar von
    Anonymous

    Du hadt so Recht.

    Ich habe auch meine ehemalige Schulleiterin, die mich berät, unterstützt.

    Das ist so viel wert.

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