
Wenn ich meine Geschichte erzähle, fällt häufig ein Name. Ein Name, der in Deutschland zum Symbol für einen Justiz- und Politikskandal geworden ist: Gustl Mollath.
Ein Mann, der unermüdlich Eingaben machte, weil er nicht gehört wurde. Die Parallelen sind schwer zu übersehen — und trotzdem ist es kein einfacher Gleichklang, sondern eine schneidende Zwillingsspur: derselbe Kampf gegen ein System, dieselbe Verzweiflung, gehört zu werden.
Warum machte Mollath so viele Eingaben? Weil man ihn nicht hörte. Er fand keine offene Tür, also klopfte er an jede verfügbare Pforte. Er schrieb an Instanzen, Behörden, Gerichte — weil die Einsprüche die einzige Sprache waren, die ihm blieb. Genau so handle ich: Ich dokumentiere, ich melde, ich weise nach. Ich schreibe Eingaben, Widersprüche, Anträge — nicht aus Lust am Streit, sondern weil jedes Schweigen weitere Fehler bedeuten würde.
Bei Mollath stand ein Finanzskandal im Raum. Bei mir steht ein anderer Skandal: Vorkommnisse an einer Schule, die ich seit Jahren aktenkundig mache. Ein paar Beispiele aus meiner Dokumentation: ein Schulleiter, der das Auto eines Mitarbeiters 2017 durchsuchte – dieser Mitarbeiter erkrankte danach für mehr als eineinhalb Jahre und kehrte nie wieder zurück; er las eine Mail des ehemaligen Personalratsvorsitzenden im Dezember 2018 und beantwortete diese, obwohl er nicht der Empfänger dieser Mail war. Er führte geheime Listen von „Verfehlungen“ über Mitarbeiter, um diese Ihnen später vorzuhalten – lies dazu die Seite 3 der Stellungnahme des örtlichen Personalrats zu meiner beabsichtigten Versetzung nach Kösching – daraus geht eindeutig hervor – der ehemalige Schulleite hatte mit vielen Kollegen massive Konflikte (siehe Anlage). Diese Vorfälle habe ich bereits im Januar 2019 dem Ministerialbeauftragten gemeldet. Ich war am 08.01.2019 beim MB in Fürstenfeldbruck und hatte beispielsweise folgende Liste dabei (ja – auch das habe ich dokumentiert – siehe Anlage). Bereits zuvor hatte der Hauptpersonalrat festgestellt: Mobbing, Handlungsbedarf, Mediation (siehe Anlage).
Auch Gustl Mollath hat unzählige Eingaben gemacht – an Gerichte, Behörden, Gutachter und Politiker. Genau wie bei mir war der Auslöser, dass er nicht gehört wurde. Darin liegt unsere Parallele: Wer auf offiziellem Weg kein Gehör findet, wendet sich an jede denkbare Instanz.
Und ebenso wie bei Mollath werden auch meine Eingaben oft vorschnell als „querulatorisch“ abgetan. Doch das ist der bequemste Weg, Kritik nicht ernst nehmen zu müssen. Ich halte mich strikt an den rechtlich vorgesehenen Rahmen. Ich dokumentiere jeden Schritt, beziehe mich auf Gesetze, auf Akten, auf Verfahren. Außerdem nutze ich heute Möglichkeiten, die Mollath damals gar nicht hatte: das Hinweisgeberschutzgesetz mit internen und externen Meldestellen – siehe auch meinen Beitrag vom 28.04.2025 (Link).
So bleibt mein Handeln nicht im Kreis stecken, sondern wird öffentlich, transparent und überprüfbar.
Und doch: Es gibt Unterschiede, die wichtig sind. Mollath wurde zum Symbol einer Justiz- und Psychiatrie-Affäre; vieles wurde hinterfragt, vieles später aufgearbeitet. Bei ihm führte der Weg über die Justiz zu tiefen Aufarbeitungen — und zu einer öffentlichen Debatte über staatliche Fehler. Bei mir geht es um systemische Probleme im schulischen Alltag, um Machtmissbrauch in einer Dienststelle und dem Kultusministerium, um das Verschwindenlassen von Informationen in Personalakten, um ein krankmachendes Klima. Das Staatsministerium schützt eine rechtlich höchst fragwürdig agierenden Schulleiter und bringt sich damit an die Grenzen der Rechtsstaatlichkeit. Aber ich bin noch nicht weggesperrt. Ich befinde mich nicht in stationärer Unterbringung. Ich kämpfe mit Akten, Verfahren und Öffentlichkeit — und ich kämpfe, weil ich nicht gehört wurde.
Was ich aus dem Fall Gustl Mollath gelernt habe: Einzelne Fehler mögen in sich nicht als „Justizskandal“ erscheinen. Oft sind es viele Einzelfehler, viele nicht ideal gelöste Entscheidungen — die zusammen aber ein System ergeben, das schützt, verschweigt oder sogar bestraft. Bei Mollath kam am Ende vieles auf den Tisch und wurde neu verhandelt – ausgelöst durch ein einziges Detail: ein ärztliches Attest, das lediglich „in Vertretung“ unterschrieben war. Dieses formale Manko genügte, um eine Neubewertung des gesamten Falles anzustoßen.. Bei mir wurden Urkunden seit 2014 vorenthalten — es ist für mich klar ersichtlich, dass hier rechtswidrig über Jahre gehandelt wurde und trotzdem eskalieren die Reaktionen des Dienstherrn gegen mich, statt dass eine Rehabilitierung oder Aufarbeitung erfolgt.
Meine Haltung ist klar: Ich will keine Rache. Ich will Aufklärung. Ich will, dass die Fakten in die Akten gehören, dass Verfahren sauber laufen und dass Verantwortliche sich erklären müssen. Ich wehre mich nicht aus Trotz, sondern aus Fürsorge — für mich, für Kolleg*innen, für ein System, das seine Standards einhalten sollte.
Wenn man mich mit Mollath vergleicht, dann bitte so: Ja, wir sind beide unbequem. Ja, wir schreiben viele Eingaben. Aber während die Legende von Kohlhaas oder die Peripherie von Mollath in manchen Köpfen den Einzelnen zum Fanatiker macht, bleibe ich bei Akten, bei Fristen, bei Widersprüchen. Mein Werkzeug ist das Recht, nicht die Waffe. Mein Ziel ist Heilung, nicht Tragödie.
Dieses Kapitel ist also kein Hilferuf allein. Es ist ein Aufruf: Hört zu, legt die Akten offen, überprüft Entscheidungspfade. Ob Mollath oder Schulleiter — am Ende zählt, dass Fehler benannt, dokumentiert und korrigiert werden. Und wenn Behörden statt auf Aufarbeitung mit Repression reagieren, hat das System ein Problem — kein Problem mit demjenigen, der die Dinge ans Licht bringt.
Ich schreibe weiter. Ich dokumentiere weiter. Und ich bitte um eines: Seht meinen Kampf nicht als persönlichen Ausbruch, sondern als Bürgerpflicht eines Menschen, der glaubt, dass Recht und Wahrheit wichtiger sind als Machterhalt und Verschweigen.