Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Meine ersten Wochen im Referendariat – vom Mitlaufen zum Mitgestalten

Nach dem ersten offiziellen Tag begann eine Phase, die ich rückblickend als ruhigen Übergang in die Praxis beschreiben würde.
Die ersten Wochen im Referendariat waren geprägt von Beobachtung, Zuhören – und Staunen.

Zunächst hieß es: Hospitieren. Mitlaufen. Lernen durch Zuschauen.
Ich saß hinten im Unterricht meiner Seminarlehrer*innen, beobachtete, wie sie mit Klassen arbeiteten, wie sie Stunden strukturierten, wie sie Unterricht lebendig machten.
Zum ersten Mal verstand ich wirklich, was guter Unterricht bedeutet – und wie er gebaut ist.

In Musik war das besonders spannend, weil wir insgesamt sechs Referendarinnen mit Musik im Seminar waren.
Wenn gemeinsam musiziert wurde, konnten wir uns aktiv einbringen – instrumental, vokal, organisatorisch.
Das war großartig: Wir waren nicht nur Beobachter, sondern wurden nach und nach zu Mitgestaltenden.

Auch im Sportunterricht war das ein Gewinn – für die Schülerinnen wie für die Lehrkraft.
Zwei Auszubildende im Raum bedeuteten: mehr Blickwinkel, mehr Unterstützung, mehr Qualität.

Neben der Fachausbildung in Sport und Musik waren die theoretischen Ausbildungsbereiche ein wichtiger Teil der ersten Wochen:

  • Schulrecht wurde von unserem Seminarleiter Herrn K. selbst unterrichtet – präzise, sachlich und immer mit Blick auf die Praxis.
  • Pädagogische Psychologie übernahm die wundervolle Frau W.klug, zugewandt, empathisch. Ich erinnere mich noch gut an ihre ruhige Art und ihre klaren Bilder.
  • Grundfragen der staatsbürgerlichen Bildung vermittelte Herr P., den ich später immer wieder traf – insbesondere in meiner Zeit als Verbindungslehrer, da er auch an der MB-Dienststelle in diesem Bereich tätig war. Es war schön, diesen Kontakt über Jahre hinweg aufrechtzuerhalten.
  • Pädagogik wurde von Frau R. geleitet – engagiert, präsent, und mit einer Haltung, die bei mir Eindruck hinterlassen hat.

Diese Fächer bildeten die theoretische Grundlage, die einem half, das Gesehene einzuordnen, zu reflektieren und die eigene Haltung als Lehrkraft zu entwickeln.

Langsam, aber stetig wuchs das Zutrauen:
Man wusste, Lehrversuche würden bald kommen – kleinere Sequenzen, später ganze Stunden.
Und man spürte auch: Man ist nicht allein.
Man darf Fehler machen. Man darf wachsen. Und man wird begleitet.

Die ersten Wochen im Referendariat waren für mich ein Geschenk.
Eine Zeit des Beobachtens, Mitwirkens und allmählichen Hineinwachsens.
Ich konnte Verantwortung übernehmen, ohne sie alleine tragen zu müssen
und das war unglaublich wertvoll.

Vorheriger Beitrag->

Nächster Beitrag->

Startseite

Wie lief Dein Referendariat?

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar