
Es gibt Menschen, die betreten einen Raum –
und plötzlich ist alles in mir wach.
Nicht bewusst. Nicht logisch.
Aber tief, instinktiv, körperlich.
So ging es mir seit 2015 mit dem neuen Schulleiter.
Diese Art zu sprechen.
Diese Haltung.
Diese Selbstverständlichkeit, mit der er Regeln benennt, ohne sie zu erklären.
Dieses Gefühl: Ich bestimme. Du funktionierst.
Ich verstand nie sofort, warum ich innerlich erstarrte.
Warum ich mich plötzlich klein fühlte.
Warum ich nicht widersprechen konnte – oder es viel zu heftig tat.
Erst später wurde mir klar:
Es war nicht nur der Chef vor mir.
Es war die Mutter.
Die Instanz, die bestimmt, was richtig ist.
Die entscheidet, ob ich dazugehören darf.
Ob ich „gut“ bin. Oder „enttäuschend“.
Und ich war wieder fünf.
Vor der geschlossenen Tür.
Ohne Erklärung.
Mit Schuldgefühlen, die nicht zu mir gehörten.
In Gesprächen mit der Schulleitung wurde ich sachlich.
Klar. Begründet. Juristisch sauber.
Und innerlich –
war ich ein Kind, das hoffte, endlich ernst genommen zu werden.
Ich brachte Argumente.
Er brachte Macht.
Ich wollte Beziehung.
Er wollte Kontrolle.
Ich brachte Verletzung.
Er brachte Verfahren.
Was mich heute erschüttert, ist nicht, dass Menschen in Machtpositionen Macht ausüben.
Das war zu erwarten.
Was mich erschüttert, ist, wie sehr mein Inneres darauf programmiert war,
die Macht anzuerkennen – statt mich selbst.
Ich wollte gemocht werden.
Ich wollte gerecht behandelt werden.
Ich wollte, dass jemand sagt: „Du hast recht. Es war nicht fair.“
Aber ich war in einer alten Szene,
mit neuem Schauspieler –
und dem gleichen inneren Drehbuch.
Heute weiß ich:
Die Wunde liegt nicht in der Schule.
Die Wunde liegt in mir.
Aber die Schule hat sie geöffnet.
Nicht, weil sie wollte.
Sondern weil sie die gleiche Sprache sprach wie früher:
Macht ohne Nähe.
Ordnung ohne Verständnis.
Regel ohne Beziehung.
Ich lerne jetzt, Autorität zu entmystifizieren.
Ich lerne, zwischen damals und heute zu unterscheiden.
Zwischen Schulleitung und Mutter.
Zwischen Kritik und Kindheit.
Und ich lerne vor allem eines:
Ich darf widersprechen – ohne zu zerbrechen.
Wie alles begann; Kapitel 1