
Es ging nicht nur um Liebe.
Es ging ums Leben.
Um das Gefühl,
dass mein Dasein nicht einfach ist –
sondern begründet werden muss.
Verdient.
Erklärt.
Gerechtfertigt.
Meine Mutter sagte nicht:
„Ich sorge mich um dich.“
Sie sagte:
„Du machst mir Sorgen.“
Ich war nicht einfach Kind.
Ich war Aufwand.
Problem.
Störung.
Und so lernte ich früh:
Ich bin zu viel.
Ich koste Kraft.
Ich bringe Chaos in eine Welt,
die eigentlich funktionieren will.
Und das Tragische:
Ich versuchte, es gut zu machen.
Mich kleiner zu machen.
Braver.
Unauffälliger.
Doch egal, was ich tat –
es blieb der unausgesprochene Vorwurf im Raum:
Wegen dir ist alles schwerer.
Diese Botschaft wurde nie ausgesprochen –
und doch war sie überall:
In den Blicken.
In den Seufzern.
In der Körpersprache.
In Sätzen wie:
„Immer wegen dir…“
„Ich hab doch schon genug am Hals…“
„Jetzt fang du nicht auch noch an.“
Ich habe lange geglaubt,
dass das normal ist.
Dass man sich das Recht auf Zuwendung
erst erarbeiten muss.
Aber das ist es nicht.
Es ist nicht normal,
dass ein Kind das Gefühl bekommt,
nicht willkommen zu sein.
Wenn ein Mensch dir nie sagt:
„Schön, dass du da bist.“
sondern immer nur:
„Wegen dir bin ich überfordert.“
dann ist das kein Erziehungsstil.
Es ist eine leise Form von Entzug.
Nicht von Nahrung.
Nicht von Obdach.
Sondern von Lebensberechtigung.
Von Anfang an Lesen: Kapitel 1: Die Tür zum Kinderzimmer – Wie alles begann