
Drei Wochen nach meinem Dienstunfall war klar:
Die Verletzung war schwer, eine konservative Behandlung reichte nicht aus.
Der Meniskusschaden machte eine Beinbegradigung notwendig – das hieß konkret:
Knochen durchtrennen, verschieben, fixieren.
Ein präziser orthopädischer Eingriff, gefolgt von einer längeren Heilungsphase zu Hause.
Ich war medizinisch gut versorgt, hatte Unterstützung und konnte mich auf die körperliche Heilung konzentrieren.
Nach sechs Wochen folgte die Anschlussheilbehandlung –
eine dreiwöchige Reha in einer Klinik am Tegernsee.
Die Lage war ruhig, die Atmosphäre kollegial – mit Patient*innen aus unterschiedlichen Bereichen:
Orthopädische Fälle, psychosomatische Erkrankungen, viele aus dem öffentlichen Dienst.
Ich kam ins Gespräch.
Mit Lehrerinnen. Mit Beamtinnen. Mit Menschen, die ebenfalls unter strukturellen Spannungen litten.
Und dabei stellte ich mir zum ersten Mal ernsthaft die Frage:
Trifft das auch auf mich zu?
Ich nahm drei therapeutische Gespräche wahr –
nicht aus akuter Not, sondern aus Interesse und Offenheit.
Und diese Gespräche machten etwas mit mir:
Sie halfen mir zu verstehen, wie stark ich über Jahre hinweg Belastung kompensiert hatte.
Was ich damals noch leise ahnte: Diese Belastung hatte eine Geschichte.
Wie ich „funktioniert“ hatte, obwohl die innere Spannung längst da war.
Was ich damals noch leise ahnte: Diese Belastung hatte eine Geschichte.
Bereits im Oktober 2018 stellte der Hauptpersonalrat offiziell fest, dass ich Mobbing ausgesetzt war (siehe hier: Mail vom HPR).
Sechs Jahre dauerte dieser Zustand – ohne Aufarbeitung, ohne Schutz durch Vorgesetzte.
Die Anpassungsstörung war keine zufällige Diagnose. Seit 2015 fühle ich diese mobbingartigen Belastungen.
Sie war – nüchtern betrachtet – eine natürliche, fast logische Folge.
Das bestätigte sich auch im psychotherapeutischen Konsilbericht, der am 08.06.2021 erstellt wurde.
Die Diagnose: Anpassungsstörung (F43.2).
Darin heißt es wörtlich:
„Seit Wechsel des Schulleiters gebe es permanente Auseinandersetzungen. Herr Schmitt fühle sich massiv ungerecht vom Schulleiter beurteilt und behandelt.“
Und weiter:
„Klinik, Symptome und Verlauf sprechen bei Herrn Schmitt aktuell am ehesten noch für eine Anpassungsstörung. […] Die Ressourcen des Patienten noch so tragfähig, um die Belastungen am Arbeitsplatz zu kompensieren.“
Kein dramatischer Befund – aber eine ernstzunehmende Einschätzung (Befundbericht).
Kein Zusammenbruch – aber ein klares Signal: Hier braucht es Veränderung.
Ich habe in dieser Zeit keine Panik verspürt, keinen Kontrollverlust –
sondern Klarheit. Und ein erstes Innehalten.
Die Heilung betraf nicht nur mein Bein.
Sie betraf auch meinen Blick auf das, was mich schon lange begleitet hatte.
Lies hier: Ich war gerne Lehrer. Und ich habe lange geschwiegen. Jetzt spreche ich.