
Es gibt Fakten, die wirken unscheinbar.
„Der Dienstunfall wurde nicht dokumentiert.“
„Ein Gefälligkeitsattest wurde vermerkt.“
Das sind keine Sätze.
Das sind amtliche Einträge.
Unterschrieben. Wirksam. Stigmatisierend.
Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Diese Sätze haben Folgen. Und zwar tiefgreifende.
Ein Systemversagen in drei Akten
1. Der Unfall – nicht dokumentiert.
Am 23. März 2021 hatte ich einen schweren Dienstunfall. Die Folge: Eine Operation am Bein, bei der der Knochen durchtrennt wurde. Danach Reha, Schmerz, Heilungsprozess.
Ein klarer medizinischer Verlauf – mit Attesten, Befunden, Berichten.
Aber: Nichts davon fand sich in meiner Personalakte. Nicht im April 2021. Nicht im Juni. Nicht im ganzen Folgejahr. Erst bei der Akteneinsicht am 11.04.2023 wurde das erstmals sichtbar. Abhilfe geschaffen? Bis heute Fehlanzeige…
2. Die Fürsorge – verweigert.
Statt einer strukturierten Rückkehr in den Dienst wurde ich mit Forderungen konfrontiert: Vollzeit oder gar nicht.
Kein Angebot einer Wiedereingliederung. Kein BEM-Verfahren – obwohl gesetzlich vorgeschrieben (§ 167 Abs. 2 SGB IX).
Kein Gespräch. Kein offenes Ohr.
Nur Druck. Und Misstrauen.
3. Die Reaktion – ein Vorwurf.
Als ich – obwohl noch krankgeschrieben – eigeninitiativ zurückkehren wollte, schlug ich eine Teilzeitlösung vor: drei Tage die Woche.
Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil mein Bein es nicht anders zuließ.
Weil ich meine Pflicht ernst nahm – als Lehrer, als Wahlvorstand, als Personalratsvorsitzender.
Und was geschah?
Am 17. Juni 2021 wurde in meiner Personalakte der Verdacht eines Gefälligkeitsattests vermerkt.
Ein schwerer Vorwurf – ohne Anhörung, ohne Prüfung, ohne jeden Beleg.
Der Arzt? Ein erfahrener Facharzt für Orthopädie.
Das Attest? Medizinisch begründet.
Die Rückkehr? Ausdruck von Verantwortungsbewusstsein – nicht von Täuschung.
Aber der Vorwurf stand im Raum. Und schlimmer noch:
Er blieb.
Ungeprüft. Über Jahre hinweg.
Selbst bei der Akteneinsicht am 29. April 2025 war der Eintrag noch vorhanden – mal im Original, mal durchgestrichen.
Was gilt? Was zählt? Was schützt?
Wisst ihr eigentlich, was das bedeutet?
Wenn ein Dienstunfall über Jahre hinweg nicht dokumentiert wird –
aber ein belastender, ungeprüfter Vorwurf sofort Eingang in die Akte findet? (ein ähnlicher Fall; lies hier: K8 und K9 – Wie ein Ministerium schwärzt, was schützt – und entblößt, was verletzt)
Wenn die Personalakte nicht für Reha-Berichte offen ist –
aber offen für Unterstellungen, Mutmaßungen, Stigmatisierungen?
Wenn niemand den örtlichen Personalrat beteiligt, obwohl Art. 75 Abs. 4 Nr. 8 BayPVG das vorschreibt –
aber gleichzeitig das Vertrauen in meine Integrität untergraben wird?
Wenn auf einen Unfall keine Fürsorge folgt, sondern eine amtsärztliche Untersuchungsanordnung?
Nicht aus Sorge, sondern aus Verdacht.
Nicht, um zu helfen, sondern um zu überprüfen.
Weil man glaubt: Der liefert Gefälligkeitsatteste. Der spielt nur krank.
Dann geht es nicht mehr um Gesundheit.
Dann geht es nicht mehr um Recht.
Dann geht es um Macht. Um Kontrolle. Um Einschüchterung.
Sechs weitere Untersuchungen – und kein einziger Schritt zur Aufarbeitung
Die erste amtsärztliche Untersuchung kam also nicht aus Fürsorge – sondern aus Misstrauen.
Sie war nicht der Anfang eines BEM-Verfahrens, sondern der Beginn einer Serie von Maßnahmen:
Bis heute folgten sechs weitere Untersuchungsanordnungen.
Keine davon diente dem Dialog.
Keine ging auf meine Hinweise auf psychische Belastung wirklich ein – obwohl ich diese bereits in der ersten Untersuchung detailliert darlegte.
Sechs Jahre Mobbing hinterlassen Spuren.
Und dennoch: Die entscheidenden Fragen blieben unbeantwortet.
Warum wurde kein BEM durchgeführt?
Warum wurde der Unfall nicht gemeldet?
Warum wurde der Verdacht nie zurückgenommen?
Was bleibt?
Ein tiefgreifender Vertrauensbruch.
Ein System, das nicht schützt, sondern kontrolliert.
Ein Apparat, der Misstrauen dokumentiert – aber Verletzungen ignoriert.
Ich nenne das die Methode „Amtsarzt“:
Nicht als Instrument der Hilfe, sondern als Waffe der Disziplinierung.
Nicht zur Klärung, sondern zur Abwertung.
Und ich frage euch:
Was macht so ein System mit einem Menschen?
Oder ist es nicht längst Zeit, dass wir über Vertrauen sprechen – statt über Verdächtigungen?
Über Fürsorge – statt über Kontrolle?
Über Menschen – statt über Aktenvermerke?
Denn es geht nicht nur um mich.
Es geht um jeden, der sich einmal verletzt –
und dann erleben muss, was das System daraus macht.