Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Wenn Wahrheit zur Bedrohung wird

Am Donnerstag bekam ich noch einen weiteren Anruf – um 22:13 Uhr.
Anonym.
Ein Mann – ich vermute ein Vater.
Die Stimme angespannt, vorwurfsvoll, unterschwellig drohend.
Ich solle mir gut überlegen, was ich da tue. Ich solle „nicht die Abschlussfeier kaputt machen“.
„Erlauben Sie sich bloß nichts“, hieß es.

Ein klarer Bezug zu meinem Beitrag von Donnerstag über Zensur an Schulen (Hier der Beitrag: „Nordkorea lässt grüßen – Zensur auch an dieser Schule?“ (ich schreibe als Vater einer Tochter der Klasse 10c).
Und ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr manche Menschen sich von der Wahrheit bedroht fühlen.
Dabei ging es nie darum, etwas kaputt zu machen.
Es ging – und geht – darum, sichtbar zu machen, was zerstört.
Toxische Strukturen, Sprachlosigkeit, Machtspiele, Schweigen.

Genau das tue ich mit diesem Blog.

Der Anruf zeigt mir: Die Menschen missverstehen mich.
Weil das System ein Narrativ bedient hat: Ich sei das Problem.

Aber ich schreibe hier,
weil ich zeigen will, wer ich wirklich bin.
Weil ich aufzeigen will,
was ein System aus einem Menschen machen kann,
selbst wenn er zuvor anerkannt, geschätzt und respektiert war.
Und wie schnell ein guter Ruf zerlegt wird –
wenn es dem System dienlich ist.

Ich habe mich nie gegen Schüler gestellt.
Im Gegenteil: Ich habe mich immer für sie eingesetzt.
Für ihre Stimme.
Für Erlebnisse, die bleiben.
Für Gerechtigkeit, für Vertrauen, für Entwicklung. Denkt hier wirklich jemand, diese Klasse hätte unter dem alten Schulleiter eine Abschlussfahrt gehabt???

Dass gerade ich, der als Lehrer viele Jahre beliebt war – bei Schülern, bei Eltern, im Kollegium –
nun zur Projektionsfläche gemacht werde, hat mit mir nur bedingt zu tun.
Es zeigt vielmehr, wie viel Angst in einem System steckt, das nicht hinterfragt werden will.
Ein System, in dem schon der Hinweis auf Missstände als „Störung“ gilt.
In dem das Aufzeigen von Wahrheit als „Kaputtmachen“ empfunden wird.

Und dann diese Ironie:
Der anonyme Anrufer wollte wissen, welche Schüler auf mich zugekommen seien.
Selbst nicht den Mut haben, offen zu reden – seinen Namen zu nennen –
aber erwarten, dass ich die Namen derer nenne, die mir vertraut haben?

Der anonyme Anrufer sagte, er habe Angst, ich könnte seinen Namen im Blog veröffentlichen.
So etwas würde ich nie tun.
Ich kann mit den Mängeln von Menschen umgehen.
Aber ich kann nicht damit umgehen, wenn ich falsch dargestellt werde –
wenn man meine Haltung verdreht, mein Engagement umdeutet, meine Stimme diskreditiert.

Gestern war die Abschlussfeier.
Ein bedeutender Abend – für die Schüler, für ihre Familien.
Aber nur fünf Lehrkräfte waren da.
Kein Schulleiter. Kein echtes Zeichen der Anerkennung.

Von über 50 Kolleginnen und Kollegen gerade einmal 10 %.
Was sagt das über Wertschätzung aus? Über Respekt? Über Achtung gegenüber den Schülern?

Was sagt das über das System?
Was sagt es über jene, die mich als „Problem“ darstellen wollen?

Vielleicht ist mein Fehler,
dass ich unbequem bin.
Dass ich nicht schweige.
Dass ich es nicht „laufen lasse“, wie es viele tun.
Dass ich nicht wegsehe, wenn es anderen schadet.

Ich stelle mir eine einfache Frage:
Was genau wird mir eigentlich vorgeworfen – außer, dass ich die Wahrheit sage?

Ein Beitrag – zwei Anrufe – lies hier den Beitrag: „Nordkorea lässt grüßen – Zensur auch an dieser Schule?“ (ich schreibe als Vater einer Tochter der Klasse 10c)

Für meine Tochter: Ich sehe dich, Romina – und ich werde nicht schweigen

Anzeige gegen meine Tochter: Teil 1: Post vom Staatsanwalt – und meine Tochter steht plötzlich im Fokus

Für meine beiden Kinder: Liebe Romina, lieber Valentino,