Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Wenn Schüler zu Weggefährten werden

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Manchmal kommt eine Nachricht genau im richtigen Moment.
Mitten hinein – in Zweifel, Müdigkeit, oder das Gefühl, allein zu sein.

Gestern hat mich so eine Nachricht erreicht.
Von Jonas.
Ein ehemaliger Schüler,
dessen Worte mich nicht nur gerührt,
sondern auf eine tiefe Weise getragen haben.

Wir haben uns vor Jahren im Schulkontext begegnet –
Lehrer und Schüler,
nicht immer einig, aber immer auf Augenhöhe.

Und heute, so viele Jahre später,
stehen wir plötzlich auf derselben Seite:
Als Menschen, die erlebt haben, wie es ist,
wenn man für Gerechtigkeit kämpft –
und dabei fast sich selbst verliert.

Ich möchte Jonas‘ Nachricht nicht nur für mich behalten.
Denn sie spricht von etwas Größerem:
Vom Mut, nicht zu schweigen.
Von der Würde, trotz Brüchen weiterzugehen.
Von der Kraft, die in ehrlichem Austausch liegt.

Darum antworte ich ihm –
öffentlich, persönlich und von Herzen.

Antwort an Jonas – und an alle, die sich wiedererkennen

Lieber Jonas,

deine Nachricht hat mich zutiefst berührt.
Nicht nur, weil sie lang war.
Nicht nur, weil sie mutig war.
Sondern weil sie ehrlich war.
Ehrlich im Schmerz. Ehrlich in der Würde. Ehrlich im Menschsein.

Ich erinnere mich an dich.
Natürlich.
Und ich erinnere mich auch daran,
dass nicht immer alles leicht war zwischen uns.
Ich habe Fehler gemacht –
im Umgang mit jungen Menschen,
auch mit dir.

Heute würde ich manches anders machen.
Weniger fordern. Mehr fragen.
Weniger kämpfen. Mehr zuhören.
Aber eines war mir immer wichtig:
Euch als Menschen zu sehen –
nicht nur als „Schüler“.

Ich habe dich auf Augenhöhe betrachtet.
Vielleicht nicht immer perfekt –
aber mit echtem Respekt.

Denn ich mag kritische Schüler.
Kritische Menschen.

Sie bringen Bewegung.
Sie bringen Reibung.
Und oft – Fortschritt.

Du hast dich gezeigt.
Und ich habe mich erkannt.
Deine Geschichte – ist auch meine.
Deine Erschöpfung – meine auch.
Deine Depression – kenne ich.
Dein Rückzug – dein Verstummen – dein Wiederaufstehen.

Wir sind uns ähnlicher, als man von außen sieht.
Zwei Menschen, die zu viel gespürt haben.
Zu lange durchgehalten haben.
Zu sehr geglaubt haben, dass man nur laut genug kämpfen muss –
damit sich etwas ändert.

Und dann kam der Moment,
an dem der Körper stoppte.
Die Seele schrie.
Und alles still wurde.

„Auch wenn unsere Lehrer/Schüler-Beziehung durchaus nicht immer unproblematisch war, habe ich Sie als Mensch doch immer sehr respektiert.“

Dieser Satz, Jonas –
er zeigt mir, worauf es wirklich ankommt.

Nicht auf perfekte Rollen.
Nicht auf glatte Lebensläufe.
Sondern auf gegenseitigen Respekt.
Auf Echtheit.
Auf Begegnung.

Depression ist kein Zeichen von Schwäche.
Sie ist ein Schrei nach Wahrhaftigkeit.
Ein Aufstand der Seele gegen ein System, das uns zu lange überhört hat.

Danke, dass du geschrieben hast.
Danke, dass du so offen warst.
Danke, dass du den Kontakt gesucht hast.

Vielleicht beginnt Heilung genau da –
wo sich zwei Menschen begegnen,
die einander verstehen,
ohne viele Worte.

Lass uns verbunden bleiben.
Nicht als Lehrer und Schüler.
Sondern als Menschen,
die wissen,
wie es sich anfühlt,
wenn man fällt –
und irgendwann wieder atmet.

Mathias Schmitt
🌐 www.verwundet-im-system.de

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