
Mein Beitrag von Donnerstag – zwei unterschiedliche Reaktionen – die zweite Reaktion wird später veröffentlicht:
Am Donnerstag hat mich ein Anruf erreicht, der mich sprachlos gemacht hat.
Eine Mutter rief mich an – bewegt, empört, betroffen. Sie hatte meinen Beitrag zur Zensur gelesen und wollte mir erzählen, was ihr Sohn vor Jahren an derselben Schule erlebt hatte.
Es war sein letzter Schultag. Abschluss. Abschiedsrede der Klassenleitung.
Doch statt Mut zu machen oder Anerkennung auszusprechen, wurden die Schüler auf ironische Art und Weise Hops genommen.
Es sollen Sätze gefallen sein, die vielleicht im Spaß so gedacht haben, aber auch eine Nachricht enthielten, wie:
„So eine Leistung hätte ich nicht erwartet, bei euren Übungsaufsätzen.“
Es gab zwar auch mal ein Lob. Auch so ein bisschen Wertschätzung. Zuversicht. Aber immer verpackt mit einer Portion Ironie…
Doch hier:
Niemand hat interveniert. Niemand hat zensiert.
Denn: Wenn Lehrerinnen Schüler öffentlich ironisch darstellen, scheint das akzeptabel zu sein.
Doch wenn Schülerinnen einmal ehrlich sprechen wollen – über das, was sie erlebt haben, über schwierige Momente, über Dinge, die wehgetan haben – auch mit ein wenig Ironie – dann heißt es plötzlich:
„Das passt nicht zur Stimmung.“
Was für ein Zynismus.
Dabei wünschen wir uns doch alle, dass Klassenleitungen am Ende sagen:
„Ich bin stolz auf euch. Auch wenn es nicht immer leicht war – ihr habt euren Weg gemacht. Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt. Geht mutig, geht selbstbewusst – ich glaube an euch.“
Doch stattdessen erleben junge Menschen, dass ihnen selbst am letzten Schultag noch das Wort genommen wird.
Oder dass ihnen Worte entgegenschlagen, die sie klein machen – nicht stark.
Was lernen Schüler daraus?
Wer schweigt, hat seine Ruhe.
Wer redet, wird gebremst.
Wer ehrlich ist, stört den schönen Schein.
Und so verlieren wir nicht nur die Stimme junger Menschen.
Wir verlieren ihre Hoffnung, dass Schule ein gerechter Ort sein kann.
Hier den Beitrag von Donnerstag lesen: „Nordkorea lässt grüßen – Zensur auch an dieser Schule?“ (ich schreibe als Vater einer Tochter der Klasse 10c)
Für meine Tochter: Ich sehe dich, Romina – und ich werde nicht schweigen
Für meine beiden Kinder: Liebe Romina, lieber Valentino,
Die Anzeige gegen meine Tochter: Teil 1: Post vom Staatsanwalt – und meine Tochter steht plötzlich im Fokus