Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Warum der Satz „Ober sticht Unter“ gefährlich ist

Der Satz „Ober sticht Unter“ klingt banal, fast wie ein Sprichwort. Doch in der behördlichen Realität entfaltet er eine destruktive Wirkung – leise, aber tiefgreifend. Er suggeriert, dass Machtposition über Recht steht. Dass eine Anordnung allein durch die Hierarchiestufe legitimiert ist – nicht durch ihre Gesetzmäßigkeit. Und genau darin liegt die Gefahr: Wenn sich Beamte dieser Logik unterwerfen, zerfällt der Rechtsstaat im Inneren – still, schleichend, systematisch.

Ein Beamter ist nicht dazu da, der nächsthöheren Ebene zu gehorchen. Er ist dazu da, das Gesetz zu vollziehen – sachlich, rechtmäßig und unparteiisch. Sobald ein System „Funktionsträger“ höher bewertet als „Rechtsgrundlagen“, wird aus Verwaltung Machtausübung. Aus Objektivität wird Opportunismus. Aus Fürsorge wird Kontrolle. Und aus innerem Gewissen wird äußerer Gehorsam.

Der Satz ist deshalb so gefährlich, weil er eine Kultur fördert, in der nicht mehr gefragt wird: „Ist das rechtmäßig?“, sondern nur noch: „Wer hat das gesagt?“ Damit wird der entscheidende Unterschied zwischen einem Rechtsstaat und einem Befehlsstaat verwischt. Und das betrifft nicht nur Einzelfälle – es betrifft die gesamte Integrität der Verwaltung.