Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Unser Schutzschild – Warum § 8 der Dienstvereinbarung mehr ist als ein Absatz

Ich habe in den letzten Jahren viele Erfahrungen gemacht – als Lehrer, als Patient in psychosomatischen Kliniken, als Mensch im System. Ich habe Strukturen erlebt, die nicht tragen, sondern brechen. Und ich habe gesehen, wie viele von uns darunter leiden – nicht nur in Schulen, sondern auch in anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes. Polizistinnen, Verwaltungsbeamte, Pflegekräfte. Alle eint eines: Sie wurden durch ein System verletzt, das Dienstfähigkeit fordert, aber Dienstunfähigkeit produziert.

Deshalb habe ich § 8 in die neue Dienstvereinbarung zum Schutz vor Mobbing und struktureller Ausgrenzung hineingeschrieben – und ihn so ausgestaltet, wie er sein muss:
Als Mechanismus, der greift, bevor Menschen vollständig aus dem System fallen.

Was § 8 regelt – und warum es so wichtig ist

Wenn Beschäftigte drohen, dienstunfähig zu werden, soll geprüft werden, ob sie im Referat „Versehrte“ eingesetzt werden können. Dieses Referat ist mehr als ein Ort – es ist ein Raum für Verantwortung, für Aufarbeitung, für Sinn. Es ist ein Platz, an dem Menschen, die selbst verletzt wurden, andere begleiten.
Und genau das habe ich in der Klinik erlebt: Menschen, die eigentlich noch wollen – aber vom System gebrochen wurden.

Deshalb sage ich:
Nicht aussortieren. Einbeziehen. Wieder einbinden. Sinn geben.

§ 8 ist dabei keine Gnade, sondern kluge Vorsorge. Und er funktioniert nur, wenn wir ihn ernst nehmen – wenn der öffentliche Dienst nicht länger auf „Ober sticht Unter“ baut, sondern auf „Recht sticht Willkür“.

Selbstverständlich braucht ein Staat funktionelle Hierarchien.
Aber: Wenn funktionelle Hierarchien zu emotionalen Machtverhältnissen werden, in denen „oben“ Gesetze brechen darf und „unten“ schweigen muss, dann leben wir in einem System, das sich vom Rechtsstaat entfernt.

Deshalb braucht jede und jeder von uns ein Schutzschild.
Dazu gehört:

  • die Kenntnis der eigenen Rechte,
  • der Zugang zur Personalakte,
  • das Remonstrationsrecht,
  • der Mut, Dinge zu hinterfragen.

Und genau dafür steht das Referat „Versehrte“:
Es ist eine Brücke – zurück in den Dienst, zurück in die Wirksamkeit, zurück zur Gerechtigkeit.
Für alle, die sich nicht krank machen lassen wollen. Und für einen Staat, der seine Kräfte braucht – nicht nur in Zahlen, sondern in Menschenwürde.

Amtsärztin

Konzeptpapier „Versehrte gegen Mobbing“

Dienstvereinbarung zum Schutz von Mobbing