Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

TELEPROMPTER-TEXT – aufgezeichnet am 2. Mai, zur Veröffentlichung am 2. Juni

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Stolz,

eine weitere Woche ist vergangen.
Und mir scheint, als würden die Mauern immer höher gezogen.

Doch je höher man sich verschanzt,
desto deutlicher wird nach außen:

Hier hat jemand Angst, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

Aber genau darum geht es mir gar nicht.
Ich will nicht, dass irgendetwas „rauskommt“.
Ich will kein Aufdecken, kein Skandal, keine Bloßstellung.

Ich will nur ein Gespräch.

Ich habe mir oft Gedanken gemacht –
über Konflikte, über Kriege, über Macht,
über Menschen, die sich gegenseitig bekämpfen.
Ich finde das grausam.
Denn ich kenne das Gefühl von Hass nicht.
Ich kenne keine Rache.
Ich weiß nicht, wie sich Bosheit anfühlt.

Ja – ich bin in manchen Momenten aggressiv geworden.
Das war nie Bosheit.
Das war Hilflosigkeit.
Das war der Versuch, mich zu schützen,
weil meine Gefühle mit Füßen getreten wurden.

Und ja – ich habe mich auch entschuldigt.
Immer. Weil ich das kann.
Weil ich will, dass es heilt.

Aber es geht gar nicht um Entschuldigung.
Ich brauche keine Entschuldigung.
Ich verlange keine Entschuldigung.
Denn es geht nicht um Rechenspiele.

Nicht: Sie haben sieben Fehler gemacht, ich fünf – also dürfen noch zwei passieren.
Das ist Unsinn. So führt man keinen Dialog. So lebt man kein Miteinander.

Und ich bin auch nicht sauer.

Ich bin auf niemanden wütend. Nicht auf Sie. Nicht auf das System.

Im Gegenteil.
Ich begegne diesem System mit Liebe.
Ich war immer loyal.
Ich war bereit, alles zu geben.

Nur:

Irgendwann war meine Liebe zum System nicht mehr größer
als meine Liebe zum Selbsterhalt.

Und genau deshalb musste ich an die Öffentlichkeit gehen.
Nicht aus Angriff.
Sondern aus Selbstschutz.

Aber bitte glauben Sie mir:

Ich habe das nicht mutwillig getan.
Ich habe es getan, weil ich keine andere Wahl mehr gesehen habe.

Und deshalb sage ich heute noch einmal ganz bewusst:

Wenn wir uns in einem Konflikt befinden,
dann begegnen wir uns – in Achtung, in Liebe.

Dann wird es besser.
Dann wird alles besser.

Amtsärztin

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