Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Teil 6: Was ein faires BEM leisten kann – und warum es sich lohnt

Nach all den Defiziten, die Betroffene im BEM erleben, stellt sich die Frage:
Gibt es auch gelungene Verfahren?
Die Antwort lautet: Ja – wenn man das BEM ernst nimmt.

Ein faires BEM kann entlasten, Klarheit schaffen und Wege öffnen.
Es kann helfen, die richtigen Bedingungen für einen gesunden Wiedereinstieg zu schaffen – auch in einem belasteten System.


1. Wenn es gelingt: Vertrauen – auch nach Belastung

Ein gut geführtes BEM ist kein Kontrollinstrument, sondern ein Brückenbau.
Es zeigt:

  • Der Arbeitgeber interessiert sich für deine Perspektive.
  • Deine Erkrankung wird nicht als Störung, sondern als Anlass zur Reflexion gesehen.
  • Es geht nicht um Schuld – sondern um Verantwortung und Gestaltung.

Wenn das Gespräch auf Augenhöhe geführt wird, entsteht etwas Seltenes im öffentlichen Dienst:
Vertrauen trotz System.


2. Was ein faires BEM konkret bewirken kann

  • Stufenweise Wiedereingliederung mit echtem Schutzraum
  • Reduzierung von Stunden oder Belastungsspitzen
  • Fachliche Umverteilung (z. B. kein Musikunterricht mehr, wenn Lärm problematisch ist)
  • Schutz vor bestimmten Personen oder Strukturen
  • Klärung von Kommunikationswegen
  • Rückzugs- und Entlastungszeiten
  • Mediation bei Konflikten
  • Anbindung an weitere Hilfen (z. B. Supervision, Coaching, Gesundheitsmanagement)

Ein gutes BEM ist kein Allheilmittel – aber ein Startpunkt.
Und oft der erste ernst gemeinte Schritt nach einer langen Zeit des Wegsehens.


3. Was es dafür braucht

  • Wille zur Klärung – nicht zur Abwehr
  • Moderation auf Augenhöhe
  • Offenheit für unkonventionelle Lösungen
  • Ein echtes Interesse an Gesundung, nicht an Absicherung

Das beginnt bei der Einladung. Und setzt sich fort in der Gesprächsführung, in der Protokollierung, in der Nachbereitung.


4. Und was, wenn das nicht passiert?

Dann bleibt das BEM ein Symbol ohne Inhalt.
Ein Protokoll ohne Wirkung.
Ein Verfahren ohne Fürsorge.

Aber auch dann lohnt es sich, das BEM einzufordern, mitzugestalten, einzuklagen
weil die Missstände dokumentiert werden.
Weil du später sagen kannst: „Ich habe alles versucht.“
Und weil jede rechtlich erzwungene Reaktion ein Teil der Veränderung ist.


Fazit: BEM ist keine Pflicht – aber eine Chance.

Ein echtes BEM kann helfen – wenn man es will.
Nicht als Verwaltungsakt, sondern als menschlicher Raum.
Nicht als Show, sondern als ehrlicher Versuch der Wiedereingliederung.

Und dieser Versuch ist es wert – für jede Lehrkraft, die krank wurde, weil sie gesund geblieben ist.