
Was genau kann in einem Gedicht stehen,
dass ein erwachsener Mensch, ein Schulleiter, sich derart provoziert fühlt,
dass er eine Anzeige gegen ein 13-jähriges Schulmädchen stellt?
Die Antwort ist:
Nichts, was diese Reaktion rechtfertigt.
Ihr Text ist kein Angriff.
Er ist klar, direkt, kraftvoll.
Er benennt Missstände. Er fordert Verantwortung.
Aber er bleibt in der Sprache – in der Kunst.
Er nennt keine Namen.
Er formuliert ein Gefühl.
Er denkt nach – und spricht es aus.
Ein Gedicht. Mehr nicht.
Und genau dieses Gedicht veröffentliche ich heute hier.
Weil es gelesen werden soll.
Weil es öffentlich sein darf.
Weil man sich nur dann davon bedroht fühlt,
wenn man sich vielleicht wirklich so verhält,
wie es in diesen Zeilen beschrieben ist.
Der kleine Mann
von R. Schmitt (13 Jahre)
Deutschunterricht – Schulaufgabe, 8. Klasse, Januar 2023
Er denkt, er wäre der Größte,
Der Stärkste, der Klügste, der Mächtigste über uns allen.
Doch was steckt wirklich hinter ihm?
Ein Feigling, ein Verräter, ein Nichtsnutz.
Erbärmlich, erbärmlich bist nur du.
Du wagst es, das Leben anderer Menschen zu zerstören,
Doch bist selber nichts Besseres.
Ich erlaube mir, dich zu duzen – denn es gibt nichts Abartigeres als dich.
Deine Fehler siehst du nicht ein, du denkst, du seist perfekt.
Doch schau dich nur an – ein kleiner Mann, versteckt in seinem Büro.
Du hast keinen Scham und lügst dich durch die Welt.
Was Traurigeres hab ich noch nie gesehen.
Schickst deine Denunzianten und nutzt sie nur aus.
Ein schlechtes Gewissen hattest du doch auch noch nie gehabt.
Du stalkst und machst Sachen, die du nicht darfst – wie peinlich.
Du Tyrann, eine Enttäuschung für jedermann und Frau.
Nun klagte ich viel, da muss doch auch was Gutes kommen.
Doch warte, lass mich überlegen –
Was Nettes kann nicht kommen aus meinem Munde über dich,
Denn du bist das Letzte.
Die Leute, die am höchsten stehen, sollten doch eigentlich am weitesten sehen.
Doch anscheinend ist es dort oben etwas neblig.
Denn sehen können sie nie den Schädling.
Und der kleine Mann kommt leider mit seinen schlechten Taten
Immer weiter.
Keiner kann ihn stoppen – denn er ist der Leiter.
Ein Gedicht. Aus einer Schulaufgabe.
Aus einer kindlichen Perspektive.
Und doch: literarisch, durchdacht, mit Haltung.
Romina hat keine Namen genannt.
Sie hat geschrieben, was sie denkt.
Und vielleicht – was sie fühlt.
Wer sich dadurch bedroht fühlt,
muss sich vielleicht zuerst fragen, warum.
Lies hier weiter: Teil 4: Wenn Autorität sich bedroht fühlt – und zur Justiz greift
Hier das Gedicht meiner Tochter im Original (Gedicht_geschwärzt) – es wurde bereits in anderen Blogbeiträgen thematisiert – beispielsweis hier: „Anlage K 8 bitte schwärzen„)
Lies auch das hier: Schulleiterwechsel ein Jahr später – grundlos?
Von vorne anfangen: Die Anzeige gegen meine Tochter