
Diese Geschichte ist persönlich.
Sie handelt von meiner Tochter.
Von einem Gedicht.
Von einer Strafanzeige.
Von Angst.
Von Ohnmacht.
Aber sie ist nicht nur unsere Geschichte.
Sie ist ein Symptom.
Ein Spiegel.
Ein stiller Schrei aus dem Inneren eines Systems,
das an zu vielen Stellen seine Kinder nicht mehr schützt.
Deshalb wende ich mich jetzt an alle,
die in diesem System Verantwortung tragen:
An Lehrerinnen und Lehrer:
Habt Mut. Hört hin.
Haltet eure schützende Hand über die Kinder – auch wenn es unbequem wird.
Nehmt Kritik nicht persönlich –
sondern als Einladung zum Gespräch.
Wenn ein Kind euch etwas zeigen will – auch in einem Gedicht –
dann schaut hin. Und sprecht mit ihm.
Nicht über es.
Und niemals gegen es.
An Schulleitungen:
Macht euch eurer Macht bewusst.
Und nutzt sie für Schutz – nicht für Repression.
Wenn ihr euch verletzt fühlt –
geht in den Dialog.
Nicht zur Polizei.
Schule ist kein Ort der Rache.
Sondern ein Ort der Reifung.
Auch für euch selbst.
An Kultusministerien und Aufsichtsbehörden:
Zuständigkeit endet nicht bei der Behauptung „Privatperson“.
Ein Kind unterscheidet nicht zwischen Amt und Mensch.
Es spürt nur:
Der, der mich schützt – oder der, der mich bedroht.
Zeigt Haltung. Nicht nur auf dem Papier.
Nehmt die Perspektive der Kinder ein –
nicht nur in Leitbildern, sondern im Alltag.
An Eltern:
Lasst euch nicht entmutigen.
Sprecht – auch wenn niemand hören will.
Fordert Aufarbeitung. Fordert Menschlichkeit.
Denn unsere Kinder brauchen uns.
Und sie schauen uns zu.
An euch alle:
Wenn wir wollen, dass Schule ein Ort des Wachstums ist,
muss sie vor allem eins sein:
Ein Ort der Sicherheit.
Der Dialogbereitschaft.
Der Verantwortung.
Ein Ort,
an dem man ein Gedicht schreiben kann –
ohne Angst, dass es in einem Ermittlungsverfahren endet.
Ich habe diesen Blog geschrieben,
weil ich nicht mehr schweigen konnte.
Für meine Tochter.
Für das, was sie erlebt hat.
Für das, was viele Kinder erleben.
Und für das,
was Schule einmal war – und wieder werden könnte.
Lies hier die gesamte Geschichte: Teil 1: Post vom Staatsanwalt – und meine Tochter steht plötzlich im Fokus
Lies hier das Gedicht: Teil 3: Das Gedicht – „Der kleine Mann“
Meine Geschichte: Ich war gerne Lehrer. Und ich habe lange geschwiegen. Jetzt spreche ich.