Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Teil 11: Schule als sicherer Ort? – Wenn Kinder sich fürchten müssen

Wir reden so oft über Bildung.
Über Qualität. Über Digitalisierung.
Über Schulabschlüsse, Rankings, Reformeifer.

Aber viel zu selten stellen wir die einfachste und zugleich wichtigste Frage:

Ist Schule ein sicherer Ort?

Nicht im Sinne von Brandschutz oder Einlasskontrollen.
Sondern im Innersten.
Psychisch. Emotional. Menschlich.

Ein Ort, an dem ein Kind frei sprechen kann – ohne Angst.
Ein Ort, an dem Kreativität nicht bestraft, sondern gehört wird.
Ein Ort, an dem Erwachsene Verantwortung übernehmen.


Für Romina war die Schule nach diesem Erlebnis kein sicherer Ort mehr.
Sie wurde ein Ort des Misstrauens.
Der Unsicherheit.
Der Angst.

Ein Ort, an dem sie von einem Schulleiter angezeigt wurde.
Ein Ort, an dem sie von einem Lehrer übergangen wurde.
Ein Ort, an dem niemand mit ihr sprach.

Und das – wegen eines Gedichts.


Wie tief muss die Angst reichen,
dass ein Kind sich nicht mehr traut, ein Referat zu halten?

Wie groß muss die Enttäuschung sein,
wenn selbst die Lehrkraft, der man vertraut hat, schweigt?

Wie einsam fühlt man sich,
wenn sich der Raum, der einmal Lernort war,
in einen inneren Gerichtssaal verwandelt?


Wir sprechen viel von Schutzkonzepten.
Aber was nützen Konzepte, wenn niemand hinschaut,
wenn es ernst wird?

Wenn ein Kind spürt:
„Ich bin hier nicht mehr sicher.“
Wenn der Schulweg zur Belastung wird.
Wenn der Blick auf das Klassenzimmer Panik auslöst.
Wenn Tränen beim Gedanken an eine Aufgabe fließen.

Dann hat Schule versagt.
Nicht als Institution.
Sondern als menschliches System.


Schule muss ein Ort sein,
wo Fehler erlaubt sind.
Wo Kritik gehört wird.
Wo junge Stimmen ernst genommen werden.
Wo Schutz nicht davon abhängt, wer betroffen ist
sondern davon, dass jemand betroffen ist.

Ein Kind darf niemals Angst haben müssen,
dass ein Gedicht zur Anzeige führt.
Dass Kreativität bestraft wird.
Dass Stille die einzige sichere Antwort ist.

Romina hat sich das Schreiben genommen,
um etwas zu sagen.

Die Schule hat ihr das Reden genommen.

Lies hier weiter: Ich sehe dich, Romina – und ich werde nicht schweigen

Das Gedicht: Teil 3: Das Gedicht – „Der kleine Mann“

Lies die Geschichte von Anfang an: Teil 1: Post vom Staatsanwalt – und meine Tochter steht plötzlich im Fokus