Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Schwitzen, Stolpern, Staunen – meine erste Lehrprobe im Fach Sport

Meine erste Lehrprobe im Referendariat – und natürlich im Fach Sport.
Ich hatte mich ganz bewusst für dieses Fach entschieden, weil ich jahrelang Kinder im Fußballverein trainiert hatte – mit Freude, mit Leidenschaft, mit Erfahrung.
Aber eine Lehrprobe ist eben keine Trainingseinheit – sie ist eine eigene Welt.
Du planst. Du strukturierst. Du überlegst dir Varianten, Differenzierungen, Materialien.
Du willst alles richtig machen.

Das Thema: Staffelläufe und Staffelvariationen.
Ich hatte die Stunde gut vorbereitet:

  • Würfel als Zufallsgeber,
  • Karten mit Aufgaben,
  • Staffelübergaben mit optischem und akustischem Signal,
  • klassische Wechselzonen,
  • und viele kreative Ideen, wie man aus einfachen Bewegungsformen etwas Spannendes machen kann.

Die Halle war aufgebaut. Die Schüler motiviert. Ich – nervös.

Es ging los.

Die ersten Minuten liefen. Aber je weiter die Stunde ging, desto mehr merkte ich:
Ich schwimme. Ich verliere den Überblick. Ich bin überfordert.
Ich hatte das Gefühl, dass mir alles entgleitet – die Struktur, der rote Faden, die Klarheit.
Ich hab geschwitzt, wie selten zuvor – und nicht nur wegen der Bewegung.
Ich spürte: Das ist gerade nicht die Lehrprobe, die ich geplant hatte.

Die Schüler?
Die merkten davon nichts. Sie hatten Spaß. Sie bewegten sich. Sie waren engagiert.
Aber ich – ich fühlte mich nicht gut. Unsicher. Enttäuscht von mir selbst.

Nach der Stunde hieß es warten.
Der Seminarleiter, der zentrale Fachleiter und mein Sportseminarlehrer zogen sich zur Besprechung zurück.
Ich saß draußen.
Und in meinem Kopf:
„War das überhaupt Lehrer-würdig?“
„Hast du das drauf?“
„Was lief da gerade ab?“

Ich durfte rein.
Ich war aufgeregt. Ich war ehrlich.
Ich schilderte, wie es mir ging, was ich gespürt hatte, wo ich selbst meine Schwächen gesehen hatte.

Und dann – etwas, womit ich in dem Moment nicht gerechnet hatte:
Verständnis. Respekt. Menschlichkeit.

Sie sagten:
„Die Stunde war gut.“
„Man hat gemerkt, dass Sie das können.“
„Vielleicht war es in diesem Moment etwas viel – aber Sie haben das großartig gelöst.“

Der zentrale Fachleiter sprach mich sogar nach der Besprechung nochmal persönlich an:
Er sagte, dass ihn die Stunde beeindruckt habe.
Nicht, weil alles perfekt war – sondern weil sie authentisch war, echt, und mit Herz gemacht.
Ich bekam die Note 2 – und das fühlte sich in dem Moment wie ein echtes Geschenk an.

Diese Stunde hat mir gezeigt:
Lehrersein bedeutet nicht, perfekt zu funktionieren.
Es bedeutet, echt zu bleiben, auch im Stress.
Und es bedeutet, zu reflektieren und daraus zu lernen.

Und genau das habe ich gemacht.

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