Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Nicht wer ich bin – sondern wie man mich darstellt

Früher war ich beliebt.
Bei Schülern.
Bei Eltern.
Im Kollegium.

Ich wurde gewählt – zum Personalratsvorsitzenden.
Und zum Verbindungslehrer.
Weil ich zugehört habe.
Weil ich mich eingesetzt habe.
Weil ich Schule vom Menschen aus gedacht habe.

Und dann – mit einem neuen Schulleiter – wurde ich plötzlich zum Problem erklärt.
Nicht weil sich mein Handeln verändert hätte,
sondern weil ich unbequem war.
Weil ich Missstände benannt habe.
Weil ich nicht geschwiegen habe, wenn es bequemer gewesen wäre.

Man entzog mir die Führung der Dienstgeschäfte –
und gleich mit dazu: meinen Ruf.
Plötzlich stand ich im falschen Licht.
Für Kolleginnen. Für Eltern.
Nicht, weil ich mich verändert hätte.
Sondern weil das Bild von mir verändert wurde.

Doch der Abschlussball hat etwas gezeigt:
Wahrnehmung ist nicht gleich Wahrheit.
Wenn bei einem festlichen Abschlussabend vier Klassen feiern –
und nur fünf Lehrkräfte erscheinen –
dann wird sichtbar, wo das eigentliche Problem liegt.
Nicht in mir. Sondern in einem Klima,
das Verantwortung meidet, wo Haltung gefragt wäre.

Liebe Eltern:
Vielleicht haben Sie sich ein Bild von mir machen lassen.
Eines, das nicht stimmt.
Ich war nie gegen die Schule.
Ich war immer für die Schüler.

Denn darum geht es doch:
Um Wertschätzung.
Um Erlebnisse, die bleiben.
Nicht um die binomische Formel –
sondern um gemeinsame Erinnerungen.

Schule sollte ein Ort sein,
an dem Menschen gesehen werden.
Nicht geopfert.