
Vor meiner Akteneinsichtnahme beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof habe ich bei der Landesanwaltschaft angerufen. Mein Anliegen war schlicht und eindeutig: Ich wollte Einsicht in meine Akten.
Endlich Klarheit, endlich Transparenz – nach all den Jahren voller Fragen, Unklarheiten und Widersprüche.
Besonders wollte ich wissen, wo sich jener Leitz-Ordner befindet, der dem Verwaltungsgericht München bei seiner Entscheidung nicht vorgelegt wurde. Eine einfache, konkrete Frage – doch die Antwort blieb aus. Stattdessen erhielt ich bei der Landesanwaltschaft keine Akteneinsicht.
Dafür ein Gespräch – interessant, ja, und in gewisser Weise auch aufschlussreich. Es ließ mich ein Stück weiter hinter die Kulissen blicken. Aber genau das, was ich gesucht habe – die Klarheit, die Transparenz, den fehlenden Leitz-Ordner – fand ich dort nicht.
Und genau darin liegt das Problem:
Das Gespräch verlief völlig anders, als ich gehofft hatte.
Es fielen Sätze wie:
„Auf diesem Weg werden Sie Ihre Ziele nicht erreichen.“
Und: „Wir haben doch ein tolles System, in dem alle verbeamtet werden.“
Und ja – da gebe ich dem Herrn vollkommen Recht.
Wir haben ein tolles System. Wir haben das Beamtenstatusgesetz, wir haben Schutzrechte, wir können uns tatsächlich glücklich schätzen. Das habe ich auch schon mehrmals betont – und wäre froh, wenn sich ALLE an diese Gesetze halten würden.
Aber: Wir haben eben auch Menschen, die in diesem System agieren – und die allzu oft Macht vor Gesetz stellen (lies dazu auch meinen Beitrag vom 07.05.2025: Rechtsstaatliche Folgen: Vertrauensverlust, Fehlentscheidungen, Unrecht). Genau einen Tag nach diesem Blogbeitrag beabsichtigte das Ministerium nämlich, ein Disziplinarverfahren gegen mich einzuleiten.
Sie schickten sechs Akten an die Landesanwaltschaft.
Aber auch hier wurde eine weitere Akte zurückgehalten: die zum Verfahren meiner Versetzung vom August 2023.: Das Maß ist voll. 30 Tage Öffentlichkeit – sechs Jahre Schweigen – „bitte Vorfall 8 inklusive Anlage schwärzen“.
Und hier stelle ich öffentlich die Frage:
Weshalb findet sich diese Akte nicht bei der Landesanwaltschaft?
Weshalb findet sich diese Akte nicht beim Gericht?
Ein Jahr lang habt ihr ein Verfahren gegen mich geführt – im Schuljahr 2023/24 – und dann wieder eingestellt. Gleichzeitig habt Ihr mir verboten, meinen Dienst auszuführen.
Und die Akte zu diesem Verfahren? Aus meiner Personalakte entfernt. Und verantwortlich dafür – die Person, gegen die ich seit 2023 eine Vielzahl von Dienstaufsichtsbeschwerden eingereicht habe – keine einzige wurde bisher beantwortet.
Aber auch die Worte des Landesanwalt im Gespräch haben mich getroffen.
Weil sie mich wieder in eine Rolle drängen: die desjenigen, der etwas Unmögliches verlangt.
Weil sie so klingen, als müsste ich einfach zufrieden sein – unabhängig davon, was mir widerfahren ist.
Und weil sie meine Not nicht sehen.
Ich habe nach diesem Telefonat lange nachgedacht.
Was sind eigentlich meine Ziele?
Will ich ein Urteil, das mir recht gibt?
Will ich das Ministerium besiegen?
Will ich einen juristischen Sieg davontragen?
Die ehrliche Antwort ist: Nein.
Darum geht es mir nicht.
Mein Ziel ist viel einfacher – und gleichzeitig so schwer zu erreichen:
Ich möchte gesehen werden.
Und hier kommen meine Gefühle ins Spiel.
Ich fühle mich seit Jahren übergangen, nicht ernst genommen, abgestempelt.
Ich fühle mich klein gemacht durch Worte wie „Querulant“ oder „Problem“.
Ich fühle mich ausgegrenzt in einem System, das eigentlich für Fürsorge und Schutz stehen sollte.
Aber gleichzeitig fühle ich auch etwas anderes:
Ich fühle, dass ich trotz allem immer noch für meine Wahrheit einstehe.
Ich fühle, dass meine Stimme nicht verstummt, weil sie aus etwas Echtem kommt.
Ich fühle, dass meine Verletzlichkeit keine Schwäche ist, sondern mein Antrieb, mich nicht einfach mit Unrecht abzufinden.
Ich brauche keinen Triumph vor Gericht.
Ich brauche keine Schlagzeilen.
Ich brauche, dass man mich sieht – mit all meinen Gefühlen: mit meiner Trauer, mit meiner Wut, mit meiner Angst, aber auch mit meiner Hoffnung.
Ich war nie ein „Querulant“.
Ich war nie ein „Problem“.
Ich war nie jemand, der nur stören wollte.
Ich war – und bin – jemand, der gesehen werden möchte.
Als Mensch. Mit allem, was dazugehört.
Vielleicht ist genau das das größte Missverständnis:
Dass mein Weg als Kampf um Sieg gedeutet wird, während es in Wahrheit ein Weg des Fühlens und Sichtbarwerdens ist.
Und vielleicht ist das auch das Schwerste in diesem System:
Nicht das juristische Gewinnen.
Sondern das einfache menschliche Gesehenwerden.
Für den Herrn, mit dem ich dieses Telefonat am 16.09.2025 bei der Landesanwaltschaft geführt habe – und der meinte, ich würde mein Ziel so nicht erreichen – habe ich nur eine Bitte:
Lesen Sie sich den Beitrag durch, den ich am 03.05.2025 veröffentlicht habe.
Hier der Beitrag: Friedvoller oder eskalierender Konflikt? – Wie Systeme reagieren und woran sie sich messen lassen
Darin geht es nicht um Forderungen, nicht um Drohungen, nicht um juristische Siege.
Es geht um etwas viel Einfacheres – und zugleich Fundamentales: den ehrlichen, offenen Dialog.
Ist das in einem Rechtsstaat nicht mehr möglich?
Soll es wirklich keinen Raum mehr geben, in dem man offen sprechen kann – ohne sofort abgestempelt zu werden, ohne dass jedes Wort gegen einen verwendet wird?