Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Meine Lehrprobe in Musik – „Tanz der Vampire“

Lehrproben sind immer ein besonderer Moment im Referendariat. Man weiß: Jetzt muss man alles zeigen, was man kann. Viele sagen scherzhaft, man müsse quasi „mit dem Hubschrauber einfliegen“ und eine Stunde abliefern, die besonders, unvergesslich und außergewöhnlich ist.

Für mich war klar: Wenn ich eine Lehrprobe in Musik halte, dann mit meinem absoluten Lieblingsmusical – „Tanz der Vampire“.

Ein abgedunkeltes Klassenzimmer

Ich habe damals das Klassenzimmer komplett verwandelt. Die Fenster wurden abgedunkelt, und ich habe – zugegeben wohl ein bisschen illegal – echte Kerzen aufgestellt. Die Schüler kamen in einen Raum, der sofort eine geheimnisvolle, fast magische Atmosphäre hatte. Schon beim Hereinkommen lief Musik, die die Stimmung perfekt aufbaute.

Hinten im Raum saßen die drei Prüfer, die jede Lehrprobe begleiten. Aber für die Schüler stand im Mittelpunkt: Sie wurden in eine andere Welt entführt.

Auftritt als Professor Abronsius

Ich selbst kam verkleidet in den Raum – als Professor Abronsius. Mit Brille, Maske, den typischen zerzausten Haaren und voller Energie habe ich die Schüler sofort in die Handlung hineingezogen. Gleich zu Beginn habe ich ein Lied gesungen und angekündigt, was wir gemeinsam vorhaben.

Von da an war es nicht einfach eine Musikstunde – es war ein kleines Stück Musical. Wir haben die Geschichte gemeinsam durchgesprochen, die Charaktere kennengelernt und selbst gesungen.

Kreative Elemente

Besonders in Erinnerung geblieben sind mir drei Elemente dieser Stunde:

  • Ein Rap, den wir gemeinsam entwickelt haben – lebendig, kreativ und voller Energie.
  • Die Charakterdarstellung, bei der die Schüler selbst aktiv wurden und Rollen einnahmen.
  • Eine Tanzsequenz am Ende, die noch einmal das „Musical-Feeling“ im Raum spürbar machte.

Alles war darauf ausgelegt, dass die Schüler nicht nur über das Musical lernen, sondern es erleben.

Das Ergebnis

Die Lehrprobe war für mich ein voller Erfolg – und für die Schüler ein Erlebnis, das sie sicher auch nicht so schnell vergessen haben. Für mich endete dieser Tag mit einer glatten Eins.

Rückblickend war es einer dieser Momente, die zeigen, wie kreativ, lebendig und mitreißend Unterricht sein kann, wenn man Herzblut hineinlegt. „Tanz der Vampire“ bleibt für mich bis heute ein Symbol dafür, dass Unterricht mehr sein darf als nur Stoffvermittlung – er darf Bühne, Erlebnis und Begeisterung sein.