
Man vergisst sie nicht – die erste eigene Unterrichtsstunde im Referendariat.
Und ich weiß noch ganz genau, wie es bei mir war:
Musik, 10. Klasse, Liedeinstudierung.
Der Song: „Gimme Hope Jo’anna“ – kraftvoll, rhythmisch, politisch.
In unserem Seminar war es damals üblich, dass die erste gehaltene Musikstunde eine Liedeinstudierung sein sollte.
Ein Einstieg ins Unterrichten, bei dem es darum ging, ein Lied nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich gemeinsam zu erschließen.
Ich war aufgeregt. Sehr sogar.
Denn es ging nicht nur ums Didaktische – es ging darum, das erste Mal allein vor einer echten Klasse zu stehen.
Mit allem, was dazugehört: Einführung, Inhalt, Ablauf, Instrumente, Technik – und Haltung.
Meine Wahl fiel auf „Gimme Hope Jo’anna“.
Ein Song, der auf den ersten Blick fröhlich klingt –
aber eine starke Botschaft trägt:
Es geht um Johannesburg. Um Apartheid. Um Rassentrennung in Südafrika.
Und damit um Themen, die auch 10.-Klässler*innen tief berühren können –
wenn man sie richtig anpackt.
Am Anfang der Stunde stand der gute alte Overhead-Projektor.
Ich nutzte ihn für eine visuelle Hinführung, holte die Schüler*innen thematisch ab und gestaltete einen sauberen Einstieg.
Dann präsentierte ich den Songtext, sprach über den Hintergrund des Liedes, über das politische System Südafrikas, über Unterdrückung, Widerstand und Hoffnung.
Es folgte das erste gemeinsame Singen – noch etwas zögerlich, aber neugierig.
Dann kam Bewegung rein: Percussion, rhythmische Begleitung, Bodypercussion.
Mitschwingen. Mitfühlen. Mitdenken.
Und schließlich dieser eine Moment,
wo das Lied wirklich klang.
Nicht perfekt – aber lebendig, gemeinsam, echt.
Am Ende der Stunde verließen die Schüler*innen summend das Klassenzimmer.
Und ich? Ich war erleichtert. Stolz. Glücklich.
Ich hatte meine erste Stunde gehalten. Und sie hatte funktioniert.
Natürlich wurde die Stunde anschließend im Seminar reflektiert –
gemeinsam mit meiner Seminarlehrerin Frau D. und den anderen Referendar*innen.
Ja, es gab Kritik – ein Übergang war holprig, ein Arbeitsauftrag etwas unklar.
Aber die Rückmeldung war konstruktiv, empathisch, wertschätzend.
Man wurde nicht zerpflückt – man wurde ermutigt, weiterzumachen.
Ich bin dankbar für diesen Einstieg.
Für das Vertrauen. Für die Offenheit der Klasse.
Und für ein Seminarumfeld, das Fehler zugelassen hat – weil es wusste, dass genau daraus echte Lehrer*innen wachsen.
Und wer jetzt wissen möchte, welches Lied ich damals gewählt habe –
hier ist es:
🎵 Eddy Grant – Gimme Hope Jo’anna (YouTube-Link)
Ein Song gegen Apartheid –
und ein musikalischer Moment, den ich nie vergessen werde.
Kannst Du Dich noch an Deine erste Stunde erinnern? Wie war es für Dich?
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