
2018 begann alles. Damals ließ ich mich zum ersten Mal psychotherapeutisch begleiten – ausgelöst durch das, was ich an meiner Schule erleben musste. Es waren nur einzelne Gespräche. Kurze Atempausen. Aber keine echte Aufarbeitung. Ich funktionierte weiter. Ich hielt durch. Ich kompensierte – mit meinen alten Überlebensmustern.
In den nächsten Jahren war ich nur ein paar Mal in therapeutischer Begleitung. Immer nur punktuell. Immer nur so viel, wie gerade nötig war, um weiterzumachen.
2021 war ich wegen einer Beinbegradigung nach einem Dienstunfall zum ersten Mal in stationärer Behandlung – in einer Klinik am Tegernsee. Dort traf ich viele psychosomatische Patientinnen und Patienten. Ich erzählte meine Geschichte, und ihre Reaktionen waren eindeutig: „Das ist Wahnsinn, was du da durchmachst.“ Schlafstörungen, chronischer Stress, körperliche Erschöpfung – und der permanente Druck aus dem System Schule. Sie rieten mir zu Einzelgesprächen. Ich bekam in der Klinik drei.
Diese drei Gespräche haben etwas in mir ausgelöst. An eine Sitzung kann ich mich noch ganz besonders erinnern. Ich sollte den Satz sagen: „Das bin ich.“ Und plötzlich kamen die Tränen. Ich habe unkontrolliert geweint. Immer wieder dieser Satz: „Das bin ich.“ Und doch wusste ich nicht, warum ich weinen musste. Ich konnte es nicht einordnen. Ich verstand nur: Da ist etwas in mir, das ich lange weggeschoben habe – und das sich plötzlich zeigte. Zum ersten Mal.
Im September 2021 kam der völlige Zusammenbruch. Ich wurde erneut massiv unter Druck gesetzt, öffentlich entwertet, mir wurden Aufgaben entzogen. Ich war völlig erschöpft. Und ich hatte keine andere Wahl: Ich ließ mich krankschreiben. Das war meine einzige Möglichkeit, mich selbst zu schützen – um nicht vollends zugrunde zu gehen.
Meine Gewerkschaft ver.di forderte zu diesem Zeitpunkt und die Monate danach ein Konfliktmanagement. Ein kluger, strukturierter Versuch, die Situation professionell zu klären. Doch was tat das Ministerium? Kein Konfliktmanagement. Keine Klärung. Keine Systemverantwortung. Stattdessen hieß es: Wenn er krankgeschrieben ist, dann soll er eben eine Therapie machen.
Nicht das System wurde hinterfragt – sondern ich. Ich sollte mich ändern. Ich sollte mich anpassen. Ich sollte stabilisiert werden – damit ich wieder funktioniere.
Es folgte ein stationärer Aufenthalt 2022. Eine Maßnahme, keine Hilfe. Ich wurde verpflichtet, daran teilzunehmen. Aber die Therapie blieb wirkungslos. Der Therapeut war ungeeignet, die Gespräche oberflächlich, die Atmosphäre wenig hilfreich. Es ging nicht in die Tiefe. Ich fühlte mich nicht gesehen. Nicht verstanden. Nicht begleitet.
Und dann kam 2023.
Nach einem weiteren Zusammenbruch wusste ich: Ich brauche mehr als Stabilisierung. Ich brauche einen Ort, der mich wirklich sieht. Eine Klinik, die nicht nur Symptome behandelt – sondern Zusammenhänge versteht.
Die Klinik Chiemseewinkel.
Und eine Therapeutin, die mir zum ersten Mal das Gefühl gab:
Jetzt geht es wirklich um dich. Nicht um Funktion. Nicht um Anpassung. Sondern um Wahrheit.
Dort begann etwas Neues. Zum ersten Mal verstand ich mich selbst. Zum ersten Mal durfte ich tief gehen. Mit Einzeltherapie. Gruppentherapie. Bewegungstherapie. Skills-Training, Meditation, Pilates, Yoga. Mit Struktur. Mit Raum. Und mit einer Klarheit, die ich so noch nie erlebt hatte.
Zum ersten Mal war Therapie kein Nebenschauplatz.
Sondern ein echter Weg.
Ein Weg zu mir.
Ich freue mich, diese Geschichte in den nächsten Tagen erzählen zu dürfen.
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