Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Mein Inneres Kind – und was ich heute darunter verstehe

Was für mich in der Klinik ChiemseeWinkel so besonders war,
war nicht nur der geschützte Rahmen –
sondern dass jemand da war,
der mir erklären konnte,
was da überhaupt mit mir passiert ist.

Frau K.-S., meine Therapeutin,
hat mir nach diesem Zusammenbruch gesagt:
Das war der erste Kontakt mit Ihrem inneren Kind.

Damals konnte ich damit nicht viel anfangen.
„Inneres Kind“ – das klang für mich erst mal abstrakt.
Später aber, mit ein bisschen Abstand,
habe ich angefangen, es zu verstehen.
Auf meine Weise.

Für mich ist das innere Kind nicht irgendein Bild.
Sondern das, was in mir ganz früh gelernt hat,
dass Gefühle keinen Platz haben.

Ich bin in einer Familie groß geworden,
in der man nach außen perfekt war.
Ordentlich. Stark. Kontrolliert.
Aber innen – war es still.
Gefühle wie Angst, Wut oder Trauer
durften nicht sein.

Meine Mutter war makellos –
und wir Kinder mussten es auch sein.
Emotionen? Schwäche? Verletzlichkeit?
Nicht vorgesehen.

Was ich damals nicht wusste:
Die Gefühle sind trotzdem da.
Nur weil sie nicht gezeigt werden dürfen,
verschwinden sie nicht.
Der Körper speichert sie.

Und genau diese alten, unterdrückten Gefühle
waren nie weg.
Sie waren immer in mir.
Sie haben sich angehäuft –
und irgendwann übernommen.

Ich habe nicht aus Freiheit gehandelt,
sondern aus diesen gespeicherten Mustern heraus.
Aus dem Wunsch, stark zu sein.
Richtig zu sein.
Geliebt zu werden.

Aber mein inneres Kind –
das war traurig.
Wütend.
Verletzt.
Einsam.

Und genau damit bin ich in der Klinik
zum ersten Mal in Kontakt gekommen.

Nicht als Idee.
Sondern als Gefühl.

Amtsärztin

Homepage der Klink Chiemseewinkel

Nicht gegen Menschen – gegen ein krankmachendes System