Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Mein Dienstunfall am 23. März 2021 – und was danach verschwand

Es war kurz nach der erneuten Öffnung der Schulen in der Pandemie.
Vorsicht war das Gebot der Stunde – körperliche Distanz, Hygienekonzepte, Verantwortung.
Und gleichzeitig: der Wunsch, endlich wieder gemeinsam Schule zu erleben.
Ich wollte wieder mit meinen Schülern gemeinsam Sport treiben –
aber ohne unnötige Nähe, ohne Risiken.

Also spielten wir Fußballtennis.
Ein Spiel mit Abstand, Dynamik und Freude.
Und natürlich machte ich mit – wie so oft.
Denn für mich gehört das dazu: Teil meiner Klasse zu sein.
Nicht am Rand stehen, sondern dabei sein.
Nicht nur unterrichten, sondern mitgehen.

Dann der Ausfallschritt. Der Schmerz. Der Moment, in dem alles kippte.
Ein lautes Reißen im Knie – später stellte sich heraus: Meniskusriss.
So gravierend, dass eine bloße Heilung nicht ausreichte.
Es war eine operative Beinbegradigung nötig, um überhaupt wieder Stabilität zu gewinnen.

Ich meldete den Vorfall als Dienstunfall – wie es vorgesehen ist.
Das Verfahren ist eigentlich klar geregelt:
Der Personalrat muss beteiligt werden.
Die Meldung muss in der Personalakte dokumentiert werden.
Eine Unfallanzeige ist zu fertigen, der Vorgang korrekt zu führen.

Doch genau das geschah nicht.
Der Schulleiter hat den Dienstunfall weder formgerecht dokumentiert noch dem Personalrat gemeldet.
In meiner Personalakte fehlt bis heute jeder korrekte Eintrag dazu –
obwohl ich die Akte inzwischen mehrfach vollständig digital vorliegen habe.

Was ist passiert? Wurde der Vorgang bewusst ausgeklammert?
Gab es informelle Akten?
Wollte man vermeiden, dass das Verfahren formal korrekt aufbereitet wird – weil man den Personalrat nicht einbinden wollte?
Oder war es einfach nur ein willkommener Nebeneffekt, dass ich als Personalratsvorsitzender für eine Zeit lang nicht mehr vor Ort war?

Ich weiß es nicht.
Aber ich weiß:
Ein Dienstunfall ist kein Bagatellvorgang.
Er ist eine beamtenrechtlich relevante Tatsache – mit Folgen.
Für die Fürsorgepflicht. Für die Anerkennung der Krankheitsursache. Für spätere Verfahren.

Dass mein Dienstunfall aus der offiziellen Personalakte verschwindet –
ist mehr als ein Verwaltungsversäumnis.
Es ist ein tiefer Eingriff in meine Rechte.
Und es ist bezeichnend für den Umgang, den ich seitdem erleben muss.

Es war der Beginn einer langen Geschichte von Ignoranz, Druck und rechtlicher Grauzone.
Und heute, Jahre später, gehört dieser Moment immer noch zur Wahrheit:
Ein verletzter Lehrer, ein verschwundener Vorgang – und ein System, das lieber tilgt als einordnet.

Fortsetzung folgt. Lies hier weiter: Teil 2 – Der Tag, an dem ich es bemerkte

Personalakteneinsicht – warum das so wichtig ist (veröffentlicht: Anfang Mai): Personalakteneinsicht – Dein Recht auf Klarheit

Manipulation einer Akte – was bedeutet das für den Rechtsstaat (veröffentlicht Anfang Mai): Warum eine manipulierte Personalakte den Rechtsstaat gefährdet

Lies auch das: Das Maß ist voll. 30 Tage Öffentlichkeit – sechs Jahre Schweigen – „bitte Vorfall 8 inklusive Anlage schwärzen“

Meine Meldungen der Verstößen der Schulleiters: Ich war gerne Lehrer. Und ich habe lange geschwiegen. Jetzt spreche ich.