Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Liebe Eltern,

vielleicht haben Sie sich ein Bild von mir machen lassen.
Ein Bild, das nicht vollständig ist.

Vielleicht hat man Ihnen erzählt, ich würde einen alten Konflikt mit dem früheren Schulleiter austragen –
und dabei Ihre Kinder instrumentalisieren.
Vielleicht hat man Ihnen ein ganz anderes Bild vermittelt –
eins, das mehr mit Macht als mit Wahrheit zu tun hat.

Wem glaubt man eher?
Einem Vorgesetzten im Anzug – oder einem einfachen Lehrer,
der gleichzeitig Künstler ist
und offen mit seiner dienstlich bedingten Depression umgeht?
Der sich nicht hinter Rollen versteckt – sondern Haltung zeigt?

Die Schüler wussten immer, auf wessen Seite ich stehe.
Nicht ohne Grund wurde ich jahrelang zum Verbindungslehrer gewählt – zur Vertrauensperson der Schülerschaft.
Nicht ohne Grund haben mich meine Kolleginnen und Kollegen zum Personalratsvorsitzenden gewählt.
Weil vielen klar war:
Ich war einer der wenigen, der sich den Konflikten stellte,
die vom damaligen Schulleiter ins Kollegium, zu den Eltern und in die Klassen hineingetragen wurden.

Ich habe nicht geschwiegen – sondern hingeschaut.
Ich habe nicht mitgespielt – sondern widersprochen.
Weil ich Schule menschlich verstehe. Nicht machtfixiert.

Vielleicht war genau das der Grund, warum man mich im September 2023 einfach entfernt hat.
Nicht offiziell strafend, aber wirksam.
Mir wurde die Ausübung meiner Dienstgeschäfte untersagt.
Ich durfte nicht mehr unterrichten,
mich nicht mehr für Schüler einsetzen,
nicht mehr für Kolleginnen und Kollegen da sein.
Und genau in dieser Phase begann der gezielte Angriff auf meinen Ruf.

Können Sie sich noch erinnern?
An den Februar 2024?
An unser erstes Treffen beim Griechen?

Damals stand plötzlich die Abschlussfahrt auf der Kippe.
Niemand wollte mehr mitfahren – die Schüler der Klasse wurden als gefährlich dargestellt –
und doch standen wir gemeinsam hinter der Klasse.
Wir kämpften zusammen dafür, dass die Fahrt stattfinden kann.

Aber schon kurze Zeit später veränderte sich etwas.
Das Klima kippte.
Eltern, die zuvor solidarisch waren,
wandten sich plötzlich ab.
Nicht, weil sich meine Haltung geändert hätte –
sondern weil gezielt daran gearbeitet wurde, mein Bild zu drehen.
Ich war nicht mehr der, der sich einsetzte,
sondern der, über den man sich „ein Bild machen“ sollte.

Möglicherweise wurde Einfluss genommen – von ganz oben.
Vielleicht durch einen Ministerialbeauftragten.
Ein Anzugträger eben.

Haben Sie sich nie gefragt,
wie es sein konnte, dass nach der Versetzung des Schulleiters
die Abschlussfahrt plötzlich doch möglich wurde? Ich werde auch diese Geschichte noch irgendwann im Blog erzählen.

Denn es war schließlich dieselbe Klasse.
Es waren dieselben Lehrkräfte.
Plötzlich war die Angst vor dieser „schwierigen“ Klasse wie weggeblasen.
Die Reise fand statt – und nach allem, was ich gehört habe,
war Wien ein voller Erfolg.
Vielleicht sogar besser als London.

Und dennoch: Das Bild von mir blieb beschädigt.
Selbst der Anruf am Donnerstag bestätigte mir, dass das alte Narrativ weiterlebt:
Der Mann – ich vermute es war ein Vater – stellte mich erneut als das Problem dar.
Ich wolle etwas zerstören (hier der Beitrag darüber: Wenn Wahrheit zur Bedrohung wird)

Dabei war und bin ich derjenige,
der jungen Menschen beibringt, den Mund aufzumachen.
Sich einzusetzen.
Für sich. Für andere.

Was ist daran verwerflich?
Auch eine Abschlussrede darf persönlich sein.
Darf kritisch sein.
Darf – in einem Rahmen von Ironie und Humor – etwas sagen.
Etwas Echtes (hier der Beitrag zur Zensur: „Nordkorea lässt grüßen – Zensur auch an dieser Schule?“ (ich schreibe als Vater einer Tochter der Klasse 10c).

Und wer wirklich glaubt,
ich wolle etwas kaputt machen
oder würde die Dinge nicht aus Schülersicht betrachten,
der hat mich – mit Verlaub – nicht verstanden.
Oder besser gesagt: komplett missverstanden.

Ich wünsche mir,
dass der Mann, der mich anonym angerufen hat,
den Mut findet, sich noch einmal zu melden.
Nicht, um Vorwürfe zu wiederholen –
sondern um miteinander zu sprechen.

Denn ich habe in all den Jahren –
in jedem Gespräch, in jedem Konflikt, in jeder Entscheidung –
eines immer deutlich gemacht:
Mir liegt nichts daran, etwas zu zerstören.
Ich wollte gestalten.
Verantwortung übernehmen.
Menschen stärken.

Wer zerstört hat,
das haben andere bewiesen.

Denn: Der Abschlussball hat mehr über die Schule gezeigt
als jede Rede es je könnte.

Fünf Lehrkräfte bei einem Abschlussball von vier Klassen.
Fünf von fünfzig.

Ein stilles, aber unübersehbares Zeichen.
Ein Armutszeugnis –
ausgestellt nicht den Schülern,
sondern das hat die Schule sich selbst ausgestellt.

Ich weiß, wie leicht es ist, Wahrnehmung zu beeinflussen.
Aber Wahrheit bleibt.

Ich war nie gegen die Schule.
Ich war – und bin – für die Schüler.
Für Ihre Kinder.

Denn Schule ist mehr als ein Ort des Lernens.
Sie ist ein Raum für Begegnung. Für Vertrauen. Für Menschlichkeit.
Für Erinnerungen, die bleiben.

Und wenn am Ende eines festlichen Abschlussabends
nur fünf Lehrkräfte erscheinen,
dann stellt sich nicht die Frage, wer das Klima über die gesamte Zeit gestört hat –
Es stellt sich die Frage, warum wurde es denjenigen verwehrt, die es immer getragen haben?

Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern von Herzen alles Gute.
Haben Sie den Mut, manchmal auch unbequeme Wege zu wählen –
denn nicht der einfache, sondern der aufrichtige Weg führt zu echter Begegnung.
Mit respektvollen Grüßen
Ihr Mathias Schmitt

Lies hier – der Skandal und meiner Tochter steht im Fokus: Teil 1: Post vom Staatsanwalt – und meine Tochter steht plötzlich im Fokus