Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Leisten, wachsen, mitdenken – warum Referendariat auch Arbeit bedeutet

Es wäre falsch, wenn man beim Lesen meiner bisherigen Erinnerungen den Eindruck bekäme, das Referendariat sei ein reines Wohlfühlprogramm gewesen.
Ja – meine Zeit war getragen von Menschlichkeit, Klarheit und guter Begleitung.
Aber sie war auch fordernd. Und das ist gut so.

Vom ersten Tag an war klar: Ich bin gefragt. Ich muss leisten.
Nicht im Sinne von Druck oder Angst, sondern im Sinne von Verantwortung übernehmen, mitdenken, dokumentieren.

Gerade in der theoretischen Ausbildung – etwa in Schulrecht, Pädagogischer Psychologie, Pädagogik oder den Grundfragen der staatsbürgerlichen Bildung – war es keineswegs so, dass man sich einfach nur berieseln ließ.

Im Gegenteil: Jede Sitzung wurde dokumentiert.
Wir mussten Protokolle schreiben – strukturiert, nachvollziehbar, präzise.
Die Inhalte wurden später aufgegriffen, vertieft – und auch überprüft.

Es war wie ein regelmäßiger Takt:

  • Erinnern, worüber wir zuletzt gesprochen haben
  • Inhalte reflektieren
  • Neues aufnehmen
  • Verbindungen herstellen
  • Und: mitdokumentieren

Das bedeutete nicht nur Zuhören, sondern aktives Teilnehmen.
Es war wie eine kleine Unterrichtseinheit für uns selbst – jede Woche aufs Neue.
Nicht nur Konsument sein, sondern Teil des Ganzen.

Auch in den fachpraktischen Bereichen, also Musik und Sport, war klar:
Man wird nicht einfach durchgetragen.
Man muss sich einbringen – von Anfang an.

Seminarlehrkräfte wollten sehen, dass man versteht, dass man Struktur entwickeln kann, dass man didaktisch mitdenkt, methodisch arbeitet und eigene Unterrichtsversuche gut vorbereitet.

Und das ist richtig so.
Denn Lehrer*in sein heißt nicht nur: freundlich sein oder kreativ unterrichten.
Es heißt auch: Verantwortung tragen, vorbereiten, nacharbeiten, reflektieren, begründen.

Und genau das durfte – und musste – man im Referendariat üben.

Ich erinnere mich, dass wir untereinander oft gesagt haben:
„Du musst mitkommen – nicht nur körperlich, sondern auch geistig.“

Denn man wurde später auch daran gemessen:
Kann er das? Bringt sie das mit? Hat er den Überblick? Ist sie belastbar, auch in komplexeren Situationen?

Das Referendariat war – bei aller Menschlichkeit – auch eine Einladung zur Ernsthaftigkeit.
Zur Tiefe.
Und zum professionellen Lehrer*innensein.

Ich bin dankbar, dass ich das so erleben durfte.
Nicht als Druck – sondern als Herausforderung, an der man wachsen kann.

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