Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Stresstest – Folge 4: Lehrstunde in Verwaltungsrealität – Wie eine Remonstration zum Prüfstein für Demokratie und Fürsorge wurde

Für die Schülerinnen und Schüler. Für Kolleginnen und Kollegen.

Ich schreibe diesen Text nicht nur als Beamter, sondern als Mensch, der über Jahre hinweg Verantwortung übernommen hat. Ich wurde von den Schülerinnen und Schülern zum Verbindungslehrer gewählt – ein Zeichen des Vertrauens. Und ich wurde von meinen Kolleginnen und Kollegen zwei Jahre zuvor zum Vorsitzenden des Personalrats gewählt – ebenfalls ein klares Mandat. Doch genau dieses Vertrauen wurde in den letzten Jahren systematisch untergraben – nicht durch Fehler meinerseits, sondern durch ein System, das Kritik nicht aushält und Verantwortung scheut. Die Schülerinnen und Schüler aber stehen bis heute hinter mir.

Am 23. April 2024 hielt ich nach fast acht Monaten endlich das amtsärztliche Untersuchungsergebnis in den Händen. Acht Monate, in denen ich nicht im Dienst war – nicht etwa, weil ich das nicht wollte, sondern weil ich vom Dienstherrn mit Bescheid vom 06.09.2023 in das Verbot der Führung der Dienstgeschäfte gesetzt wurde (BEscheid_geschwärzt). Und schlimmer noch: Ich wurde offiziell als Gefahr für meine Schülerinnen und Schüler, für meine Kolleginnen und Kollegen und für den Schulleiter selbst dargestellt.
Eine schwerwiegende, existenzielle Behauptung, die nichts mit Fürsorge oder Verantwortung zu tun hatte – sondern mit Machterhalt durch Stigmatisierung.

Doch nun war klar: Ich bin dienstfähig.
Das amtsärztliche Gutachten brachte es auf den Punkt:

„Dienstliche Konflikte können nicht medizinisch gutachterlich gelöst werden 5. Amtsärztliche Untersuchung_geschwärzt).

Diese Feststellung war mehr als medizinisch – sie war eine Rückverweisung an die Verwaltung. An das System selbst.

Während des Dienstverbots beobachtete ich – natürlich nur von außen – die Entwicklungen an der Schule. Ich stellte gezielte Rufschädigungen fest. Ich werde diese in späteren Blogbeiträgen noch detailliert aufarbeiten. Bereits am 16. November (Diskriminierung_16.11.2023_geschwärzt) und 29. Dezember 2023 (Falschaussagen_29.12.2023_geschwärzt) informierte ich den Amtschef schriftlich über Falschaussagen des damaligen Schulleiters, über Diskriminierung, über strukturelle Missstände und den Versuch, mich dauerhaft auszugrenzen.

Ich wandte mich erneut – am 24. und 25. April 2025 – unter anderem an den Amtschef und an die Kultusministerin (MAil_24.04.2024_geschwärzt und Mail_Amtschef_25.04.2024_geschwärzt)
Hintergrund war der Bescheid zur Aufhebung des Verbots der Führung der Dienstgeschäfte vom 18. April 2024, den ich am 23. April erstmals in Händen hielt (Aufhebung_18.04.2024_geschwärzt).
Ich wollte die Situation klären – im Sinne aller Beteiligten.
Ich legte das amtsärztliche Gutachten vor, dokumentierte alle Abläufe, stellte die Zusammenhänge her und wies auf den eskalierten Konflikt hin, der sogar im ärztlichen Gutachten benannt wurde – ein Konflikt, der schon lange bestand, obwohl ich gar nicht mehr vor Ort war.
Ich wandte mich in diesem Zuge auch an den Schulleiter.

Doch es folgte keine Aufarbeitung. Stattdessen kam der nächste Schritt:
Am 26. April erhielt ich vom Schulleiter die Anweisung, bereits am 29. April wieder den Dienst aufzunehmen – also drei Tage später.
Nach acht Monaten ohne Dienst, in denen ich offiziell als Gefahr galt, sollte ich nun ohne Vorbereitung plötzlich zurückkehren – ohne Gespräch, ohne Begleitung, ohne Wiedereingliederung.

Die Folgen wären vorhersehbar gewesen:
Es bestand die konkrete Gefahr, dass ich dadurch noch weiter isoliert worden wäre – strukturell.
Das alles hätte sich perfekt in das bestehende Narrativ eingefügt:
„Schmitt sorgt für Unruhe im System.“
Erst wird der Stundenplan umgestellt, dann – später – müsste man mich womöglich „doch noch eingliedern“.
Noch mehr Umstellungen. Noch mehr Unruhe. Und jedes Mal lautet die Schlussfolgerung: Der Schmitt ist schuld.

So erschafft man einen Sündenbock.
Nicht durch Fakten – sondern durch Abläufe, die bewusst inszeniert und nicht reflektiert werden.

Ich remonstrierte, da ich diese Anweisung für rechtsfehlerhaft hielt.
Remonstration ist nicht nur mein Recht, sondern meine Pflicht, wenn ich begründet davon ausgehe, dass eine Anweisung meine Gesundheit gefährdet – was hier eindeutig der Fall war.
Doch: Die Remonstration wurde einfach zurückgewiesen. Vom Vorgesetzten des Schulleiters.

Nicht in Form eines rechtlich bindenden Bescheids, sondern per E-Mail (Zurückweisung_26.04.2024)

Diese E-Mail war formwidrig und inhaltsleer.
Keine rechtliche Bindung.
Keine Auseinandersetzung mit meinen Argumenten.
Keine Reaktion auf die vier umfassend dokumentierten Schreiben vom 16.11.2023, 29.12.2023, 24.04.2024 und 25.04.2024.

Auch meine Reaktion auf die Zurückweisung der Remonstration wurde ignoriert Mail_KM_26.04.2024_geschwärzt.
Ich hatte klar und nachvollziehbar auf die gesundheitlichen Risiken hingewiesen – es war keine formale Floskel, sondern ein ernstzunehmender Hinweis auf meine konkrete Situation.
Doch das spielte offenbar keine Rolle.

Die Gesundheit? Egal.
Die Belastung? Unerheblich.

Stattdessen wahrt man den Anschein, als habe man verwaltungsrechtlich korrekt gehandelt.
Aber genau das ist das Problem:
Wenn der äußere Ablauf stimmt – aber der Mensch dahinter systematisch übergangen wird.

Ich wurde gezielt hinters Licht geführt.

Damals habe ich das nicht erkannt.
Rückblickend sehe ich: Das war Verwaltungstaktik – auf hohem Niveau, aber auf meine Kosten.

Heute, ein Jahr später, bin ich weiter. Jetzt pariere ich dieses Verwaltungshandeln in Perfektion. Aus dem Lehrbuch heraus.
Ich lerne – durch das Schreiben dieses Blogs, durch die Auseinandersetzung mit dem Beamtenrecht, durch den täglichen Kampf um Gerechtigkeit.

Am 7. Mai um 12:45 Uhr habe ich meiner Pflicht gemäß § 35 Beamtenstatusgesetz Genüge getan und die Behörde darüber informiert, dass eine E-Mail keine gültige Form ist, um eine Remonstration zu verbescheiden (siehe hier: Mail_07.05.2025)

Das gehört zu meiner Folgepflicht.
Und zu meinem Lernprozess.
Ich lerne mit der Praxis – und ich teile dieses Wissen mit anderen. Denn: Es betrifft nicht nur mich.

Was mich zusätzlich fassungslos macht:
Gegen genau diesen Beamten lagen zu diesem Zeitpunkt bereits über 30 Dienstaufsichtsbeschwerden von mir vor – bis heute ist keine davon verbeschieden.
Und doch darf er weiterhin ohne Prüfung meiner Argumente urteilen?

Wie kann da ein unbefangenes Urteil entstehen?

Wer ist in meinem Fall überhaupt noch unbefangen?
Die Leitung der Realschulabteilung? Der Amtschef?

Welche Chance habe ich noch in diesem System?
Vielleicht nur eine: Die Öffentlichkeit.

Ich bin kein Einzelfall.
Die meisten schweigen.
Ich aber spreche.
Ich bringe es ans Licht. Und genau daraus schöpfe ich Kraft. Immer wieder.

Und noch immer bleibt unbeantwortet:
Warum wurde der damalige Schulleiter am 1. September 2024 versetzt?
Wer genau hinschaut, kennt die Antwort. Aber niemand spricht sie aus.

Am 7. Mai um 7 Uhr habe ich öffentlich erklärt:
Ich verweigere ab dem 01. Juni 2025 den Dienst.

Ich biete der Verwaltung damit 23 Tage Zeit,
sich endlich um das zu kümmern,
was 2015 mit Mobbing an der Schule begonnen hat
und seit 2019 systematisch von der Dienstaufsicht fortgeführt wird.

Systemisches Mobbing.

Nicht ich bin die Gefahr –
sondern ein System, das wegschaut, verdrängt und stigmatisiert,
anstatt Verantwortung zu übernehmen.

Ich habe gezeigt, dass es kein faires Verfahren war.
Dass es keine Fürsorge gab.
Dass es nicht nur um mich geht –
sondern um ein System, das lieber Menschen zerstört, als Fehler einzugestehen.

Und ja – ich gelte als „renitent“.
Aber ich frage: Was wäre das Gegenteil?
Mitlaufen? Schweigen? Wegsehen?

Wenn „renitent“ bedeutet, für Recht, Verantwortung und Menschenwürde einzustehen –
dann bin ich es gerne.

Denn Beamtentum ist kein Befehlsempfang.
Es ist Verantwortung.

Ich habe dabei immer den Schutz meiner Kolleginnen und Kollegen sowie der Schülerinnen und Schüler im Blick gehabt.
Das war mein Antrieb – und ist es bis heute.

Indem ich diese Verwaltungspraxis öffentlich mache, lege ich offen, was hinter den Kulissen unserer Behörden wirklich passiert.
Denn die eigentliche Gefahr für unseren Rechtsstaat und die Demokratie beginnt dort,
wo sich die obersten Beamten die Wahrheit zurechtbiegen – statt ihr ins Auge zu sehen.

Und genau das – nicht ich – ist die wahre Gefahr für unsere Demokratie.

Denn:
Wenn Verwaltungshandeln nicht mehr dem Beamtenstatusgesetz folgt,
sondern nur noch der Logik des Machterhalts,
dann ist die Grenze überschritten.

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