
Es war Sommer 2004.
Mein erstes Referendariats-Halbjahr neigte sich dem Ende zu –
und mit einer Kollegin aus dem Seminar beschlossen wir, etwas Besonderes für unsere 10. Klasse zu organisieren.
Etwas, das über den Schulalltag hinausgeht.
Etwas, das Bildung mit Erlebnis, Kultur und Gemeinschaft verbindet.
Das Thema: Musiktheater.
Wir hatten gerade Unterrichtseinheiten zum Musikdrama gehalten – unter anderem über La Traviata von Giuseppe Verdi.
Ein Teil davon kommt auch im Filmklassiker Pretty Woman vor –
was den Zugang für viele Schüler*innen erleichtert hat.
Die Geschichte von Violetta, Alfredo, Liebe, Krankheit, Ehre, Opfer –
das alles hatten wir besprochen.
Aber ich wollte, dass sie mehr erleben als nur Theorie.
Und so entstand die Idee:
Wir fahren gemeinsam in die Oper.
La Traviata – live. Im Theater am Gärtnerplatz in München.
Die Klasse war sofort begeistert.
Es wurde geplant, organisiert, diskutiert, gesammelt –
und dann war er da, der große Abend.
Alle kamen schick gekleidet:
Die Jungs im Anzug, die Mädchen in eleganten Kleidern.
Und ich?
Der vermutlich schlichtest gekleidete Mensch des Abends.
Denn: Ich besitze bis heute keinen Anzug.
Ich habe mein Bestes gegeben, um halbwegs feierlich auszusehen –
aber neben diesen strahlenden Schüler*innen wirkte ich eher wie der Typ, der draußen wartet.
Egal. Es war ihr Abend.
Gemeinsam mit unserer Seminarlehrerin fuhren wir zum Gärtnerplatztheater.
Aufregung lag in der Luft.
Für viele war es der erste Opernbesuch.
Und dann: der Vorhang. Die Musik. Die Inszenierung.
La Traviata – nicht nur als Stoff, sondern als Erlebnis.
Groß. Berührend. Tragisch. Live.
Was mich am meisten beeindruckt hat:
Die Aufmerksamkeit. Das stille Zuhören.
Die Gespräche in der Pause.
Schüler*innen, die sonst vielleicht mit Oper nichts anfangen konnten,
saßen da – offen, interessiert, bewegt.
Das Ende: Applaus.
Nicht nur für das Ensemble auf der Bühne –
sondern irgendwie auch für uns alle.
Für diese gemeinsame Idee, die getragen hat.
Für das, was Schule eben auch sein kann:
Ein Raum, in dem Kultur erlebbar wird.
Dieser Abend war einer der Momente, in denen ich gespürt habe:
Ich bin genau im richtigen Beruf.
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