Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Kapitel 8: „Ihre Tochter wird nicht anders behandelt.“

So steht es in einer Mail aus dem Bayerischen Staatsministerium vom 7. September 2023 (siehe Mail: Mail_07.09.2023_geschwärzt) .
Und doch kann dieser Satz kaum absurder wirken – vor allem, wenn man weiß, was wirklich passiert ist.

Denn:
Meine Tochter wurde von ihrem Schulleiter angezeigt.
Wegen eines Gedichts.
Ein literarischer Text, geschrieben im Deutschunterricht, im Rahmen einer regulären Hausaufgabe zur lyrischen Auseinandersetzung mit Goethes Prometheus.
Ein mutiger Text – vorgetragen von einer 13-Jährigen.
Ein Ausdruck. Eine Haltung.

Bereits 2018 hatte der Hauptpersonalrat der bayerischen Realschulen das Verhalten des damaligen Schulleiters als „unverhältnismäßig“ mir gegenüber bezeichnet (siehe hier: 24.10.2018_rueckmail-hpr_geschwaerzt_geschwaerzt ).
Das Dokument liegt vor.
Dieser Schulleiter soll meine Tochter jetzt auf einmal nicht anders behandeln???
Man ließ ihn weiter agieren – auch gegen meine Kinder.

Will man also behaupten, dieser Schulleiter hätte jede andere Schülerin ebenso angezeigt – wegen eines Gedichts. Will das Ministerium die Anzeige des Schulleiters damit sogar rechtfertigen? (lies auch den Beitrag mit dem Gedicht: Teil 3: Das Gedicht – „Der kleine Mann“). Meint man im Ministerium, Ihr Vater wäre seit 2018 nicht anders behandelt worden als andere Lehrkräfte?

Die Strafanzeige des Schulleiters – eingereicht am darauffolgenden Morgen um 08:13 Uhr war also „normal“?
In der Ermittlungsakte der Staatsanwaltschaft taucht neunmal der Begriff „Schulleiter“ auf.
Angegeben ist dort sogar die Telefonnummer der Realschule Beilngries.

Trotzdem behauptete das Ministerium später: Die Anzeige sei nicht in seinem Amt als Schulleiter sondern als Person gestellt worden.

Doch wer so argumentiert, macht sich entweder blind – oder mitschuldig.
Denn das Motiv war nicht privat. Es war systemisch.

Meine Tochter hat unter all dem gelitten.
Die Anzeige – ein Schock.
Sie war 13. Sie weinte. Schlaflosigkeit. Angst. Schulvermeidung.
Und: völlige Sprachlosigkeit der Schule.

Am Tag nach dem Schreiben Dillers, also am 06.09.2023, folgte der nächste Schlag:
Man entzog mir – als Lehrer – die Führung der Dienstgeschäfte.
Mit der Begründung, ich sei „eine Gefahr für das psychische Wohl von Schülern“.
Dieselben Schüler, die mich zwei Monate zuvor zum Verbindungslehrer wählten.
Dieselbe Schule, die meine Tochter nicht schützte.

Und wieder: kein Gespräch. Keine Aufarbeitung.
Stattdessen: eine zynische Mail aus dem Ministerium, verfasst von Ministerialrat Diller.
Darin steht:
„Insbesondere wurden seitens der Realschule keine Erziehungsmaßnahmen ergriffen.“
Na danke.

Und die Dienstaufsichtsbeschwerden?
Die Beschwerde gegen den Schulleiter: bis heute unbehandelt.
Ebenso die Beschwerden gegen Ministerialrat Diller.

Eingereicht am
– 02.11.2023 (Dienstaufsichtsbeschwerde_02.11.2023_geschwärzt)
– 13.11.2023 (Dienstaufsichtsbeschwerde_13.11.2023_geschwärzt)
– 28.11.2023 (Dienstaufsichtsbeschwerde_28.11.2023_geschwärzt)

Bis heute: keine Entscheidung.
Kein Bescheid. Kein Hinweis. Kein einziges Gespräch.

Die Wahrheit ist:
Meine Tochter wurde in einen jahrelangen Konflikt hineingezogen – ausgelöst durch Machtmissbrauch, gedeckt von der Schulaufsicht, ignoriert vom Ministerium.

Am kommenden Freitag wird meine Tochter die Schule verlassen.
Mit Abschluss – aber auch mit einem tiefen Vertrauensverlust.
Ihr Satz an mich:
„Ich wurde nie gefragt. Ich wurde nie geschützt. Ich hatte nie eine Stimme.“

Diese Stimme bekommt sie jetzt.
Denn die Geschichte wird erzählt.
Hier. Öffentlich. Unverstellt.

Hier weiterlesen: Kapitel 9: Wenn die Tochter plötzlich „anders“ behandelt wird

Das Gedicht – von Anfang an: Teil 1: Post vom Staatsanwalt – und meine Tochter steht plötzlich im Fokus

Lies hier: Ich war gerne Lehrer. Und ich habe lange geschwiegen. Jetzt spreche ich.