Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

K8 und K9 – Wie ein Ministerium schwärzt, was schützt – und entblößt, was verletzt

Mehrere hundert Seiten.
So umfangreich war der Antrag des Bayerischen Kultusministeriums an das Verwaltungsgericht, um meine Versetzung durchzusetzen – gegen den erklärten Willen des örtlichen Personalrats.

45 Seiten Schriftsatz.
60 Anlagen.
Allein Anlage K8 umfasste nahezu 20 Seiten.

Und zwei dieser Anlagen zeigen exemplarisch, wie weit das System bereit ist zu gehen – und wie gezielt es mit Wahrheit, Macht und Öffentlichkeit umgeht.


Anlage K8 – Ein Kind als Argument

Die Anlage K8 stammte aus einer Stellungnahme einer Mitarbeiterin der Schulleitung.
Darin enthalten: Aussagen über meine minderjährige Tochter.

Ein Kind. Eine Schülerin.
Sie wurde zum Gegenstand eines staatlichen Antragsverfahrens gemacht – ohne dienstliche Relevanz.
Und doch:
Für den örtlichen Personalrat, den Hauptpersonalrat und für mich selbst war genau dieser Teil geschwärzt (Auszug der Stellungnahme der Mitarbeiterin der Schulleitung geschwärzt).
Nur das Verwaltungsgericht erhielt die ungeschwärzte Fassung (Auszug der Stellungnahme der Mitarbeiterin der Schulleitung geschwärzt).

Später – bei der Einsicht in meine Personalakte am 29.04.2025 – entdeckte ich den Beweis:
Eine schriftliche Schwärzungsanweisung (hier der Beitrag: „Bitte Vorfall 8 inkl. Anlage schwärzen!!„).

Ein klarer Hinweis:
Diese Schwärzung war bewusst angeordnet.
Nicht zufällig. Nicht redaktionell.
Sondern taktisch.

Für den Schutzbeauftragten geschwärzt.
Für den Richter freigelegt.
Das ist keine Fürsorge – das ist ein Verfahren nach Drehbuch.


Ich habe protestiert – und offenbar das Narrativ gestört

Als ich diese Unterlagen erstmals sah, sagte ich:
„Hier stimmt etwas nicht.“ (ich rieche es, wenn etwas stinkt – und diese Geschichte stinkt gewaltig)
Ich beanstandete die Darstellung – schriftlich und nachweislich (siehe E-Mail vom 28.07.2023). Die Mailadressen lasse ich bewusst stehen, da sie dem offiziellen Organisationsplan des Bayerischen Kultusministeriums vom Februar 2023 entnommen sind. Adressiert war die Nachricht u. a. an den damaligen Abteilungsleiter der Abteilung IV sowie den Amtschef. Ministerialdirigent Wunsch war zu diesem Zeitpunkt Leiter der Abteilung „Gymnasium“.

Und ich vermute:
Nur deshalb legte das Ministerium dem Gericht überhaupt die ungeschwärzte Fassung vor.
Andernfalls hätte man den Eindruck vermittelt: „Es wurde alles gesehen.“
Nur eben nicht von denen, die eigentlich schützen sollten.


Anlage K9 – Ein privater Satz als öffentliche Waffe

Ein WhatsApp-Status von mir (siehe Anlage – mein persönlicher WhatsApp-Status).
Persönlich. Kurzzeitig. Sichtbar für einen kleinen Kreis.

Auch er wurde dem Gericht ungeschwärzt vorgelegt.
Nicht als Randnotiz – sondern als Beleg für meine Haltung.

Kein Gespräch. Kein Kontext. Kein Widerspruch.
Nur ein Screenshot – als Charakterurteil.


Wer trägt die Verantwortung?

Der Antrag wurde von Amtsleiter Graf vorbereitet.
Unterzeichnet: Ministerialdirigent Wunsch.

Heute ist Wunsch: Amtsleiter.
Der höchste Beamte im Bayerischen Kultusministerium. Vielleicht war es ja sein Wunsch, dass ich aufgebe.
Niemand hat sich je erklärt.
Nicht zu den Anlagen. Nicht zu den Schwärzungen. Nicht zur Verantwortung.


Was hätte passieren müssen?

– Eine Bewertung der Verhältnismäßigkeit.
– Eine Anhörung.
– Eine Trennung zwischen Privatem und Dienstlichem.
– Eine Fürsorge, die diesen Namen verdient.

Doch passiert ist:
– Eine Schwärzung.
– Eine Entblößung.
– Ein Antrag.
– Und am Ende: ein Rückzug.


Was wurde daraus?

Nach einem Jahr, hunderten Seiten, einem hochrangig geführten Verfahren:
Das Ministerium zog den Antrag zurück. Ohne jede Begründung.

Und dann?

Nicht ich wurde versetzt.
Das Ministerium versetzte den Schulleiter.
Offiziell: auf eigenen Wunsch.


Mein Fazit

K8 und K9 sind nicht die schlimmsten Anlagen.
Aber sie zeigen wie das System funktioniert.

– Was geschwärzt wird, soll nie geschützt werden.
– Was gezeigt wird, soll verletzen.
– Und was verschickt wird, sagt mehr über die Verwaltung – als über den Menschen, den sie verfolgt.

Ich dokumentiere es.
Ich veröffentliche es.
Und ich bleibe dabei:
Die Wahrheit gehört nicht in Anlagen. Sie gehört ans Licht.

Warum ich den oberen Teil geschwärzt habe – und den unteren bewusst stehen lasse, obwohl ich darin schlecht dastehe: Mehr dazu heute um 16 Uhr.

Hinweis zum Schutz personenbezogener Daten: Die Bezeichnung „Mitarbeiterin der Schulleitung“ wird in diesem Beitrag bewusst allgemein verwendet – auch wenn die Funktion an der betreffenden Schule nur einfach besetzt war. Es geht mir nicht um persönliche Vorwürfe, sondern um das Aufzeigen struktureller Abläufe. Persönlich identifizierende Details werden konsequent anonymisiert oder geschwärzt – insbesondere im Interesse des Schutzes unbeteiligter Dritter.