Der öffentliche Dienst steht an einem Scheideweg. Zwischen formeller Korrektheit und inhaltlicher Wahrheit. Zwischen gesetzlicher Bindung und politischem Druck. Zwischen funktionaler Ordnung und emotionaler Dynamik. Wer heute im Beamtenapparat arbeitet, steht nicht nur im Dienst eines Systems – sondern im Dienst eines Ideals: dem Ideal eines rechtsstaatlich verankerten, gerechten und verantwortungsvollen Staatswesens.
Doch dieses Ideal lebt nicht von Vorschriften allein. Es lebt durch Menschen, die den Mut haben, das Richtige zu tun, auch wenn es unbequem ist. Durch Menschen, die Integrität über Karrieretaktik stellen, die Wahrheit nicht dem Konsens opfern, und die das Gesetz nicht als Drohmittel, sondern als Maßstab begreifen.
Deshalb mein Appell an alle im öffentlichen Dienst:
- Habt den Mut, zu widersprechen, wenn das Recht verletzt wird.
- Kennt eure Pflichten – und eure Rechte.
- Verwechselt Loyalität nicht mit Unterwerfung.
- Versteht Fehler als Chance, nicht als Schande.
- Erinnert euch: Ihr seid nicht verlängerte Arme der Macht – ihr seid das Rückgrat des Rechts.
Ein funktionierender Beamtenapparat ist nicht starr, sondern stabil. Nicht obrigkeitshörig, sondern gesetzesgebunden. Und nicht machtverliebt, sondern gemeinwohlorientiert. Es ist an uns allen, dieses Verständnis zu schützen – und neu zu beleben.