Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Fazit und Ausblick

Was als persönliche Beobachtung begann – die alltägliche Erfahrung mit dem Satz „Ober sticht Unter“ – hat sich als Symptom eines tieferliegenden Problems erwiesen: Ein strukturelles Missverständnis über die Rolle des Beamten im Rechtsstaat. Nicht Befehl und Gehorsam dürfen das Handeln bestimmen, sondern Gesetzestreue, Verantwortung und Integrität. Nicht politische Opportunität, sondern rechtliche Verbindlichkeit. Nicht Anpassung, sondern Gewissen.

Der öffentliche Dienst braucht keine Funktionäre, die durch Druck formbar sind. Er braucht Menschen, die das Recht ernst nehmen – selbst dann, wenn sie damit anecken. Menschen, die sich nicht hinter Hierarchien verstecken, sondern sich ihrer Verantwortung stellen. Und Institutionen, die diesen Mut nicht bestrafen, sondern schützen.

Der Weg zurück zu einem glaubwürdigen, funktionierenden und rechtsstaatlichen Beamtentum führt nicht über Kontrolle, sondern über Kultur. Über eine Kultur des Wahrsprechens, der Korrektur, der Rechtstreue. Das ist keine Systemkritik – es ist eine Systempflege. Denn der Staat kann nur so stark und gerecht sein, wie es seine Beamten sind.

Wenn wir uns auf diese Grundlagen besinnen – als Gesellschaft, als Verwaltung, als Einzelne – dann besteht Hoffnung: auf eine Verwaltung, die nicht nur funktioniert, sondern der man vertrauen kann.