Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Einleitung: „Ober sticht Unter“ – ein fataler Irrtum

Es gibt Sätze, die sich so tief in die Struktur einer Organisation eingraben, dass sie kaum mehr hinterfragt werden. „Ober sticht Unter“ ist einer davon. In der Welt des Beamtentums wird er häufig benutzt – als stillschweigende Maxime, als Autoritätsargument, als letzte Instanz, wenn Sachargumente fehlen. Doch dieser Satz ist nicht nur gefährlich. Er ist falsch. Und er steht im Widerspruch zu allem, wofür der öffentliche Dienst in einem Rechtsstaat eigentlich stehen sollte.

Ich selbst habe diesen Satz unzählige Male gehört – ausgesprochen, gedacht, implizit spürbar. Immer wieder dann, wenn ich auf Missstände hingewiesen habe. Wenn ich meine Rechte einforderte. Wenn ich Gesetze ernst nahm, wo andere nur Dienstwege sehen wollten. Irgendwann wurde mir klar: Das eigentliche Problem liegt nicht in einzelnen Personen oder Entscheidungen. Das eigentliche Problem liegt in einer stillschweigenden Kultur des Gehorsams – einer Kultur, in der nicht mehr das Gesetz entscheidet, sondern die Machtposition.

Doch das Beamtentum basiert nicht auf blinder Loyalität gegenüber Vorgesetzten. Es basiert auf der Treue zum Gesetz. Und genau dort beginnt mein Anliegen: Eine Rückbesinnung auf das, was das Berufsbeamtentum in seiner Grundidee einmal war – und wieder sein sollte.