Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Ein Ort, der mich zu mir geführt hat

Therapie ist mehr als Gespräche.
Sie ist ein Raum – ein geschützter Rahmen –
in dem man sich nicht erklären muss,
sondern einfach sein darf.

In der Klinik ChiemseeWinkel habe ich zum ersten Mal erlebt,
wie vielschichtig und lebendig Therapie sein kann.
Wie unterschiedlich die Zugänge sind –
und wie sie doch alle in eine Richtung führen:
zu sich selbst.

Es gab Gruppengespräche, die mich tief berührt haben.
Nicht, weil sie dramatisch waren –
sondern weil ich plötzlich gemerkt habe:
Ich bin nicht allein mit meinem Muster.
Dieses ständige Funktionieren.
Dieses stille Bemühen, es allen recht zu machen.
Diese Angst, Fehler zu machen.
Die ewige Rolle, stark sein zu müssen –
für andere. Und dabei mich selbst zu verlieren.

In der Gruppe wurde das sichtbar.
Bei Menschen, die äußerlich ganz anders wirkten –
aber innerlich genau dieselbe Wunde trugen.
Nur mit anderen Symptomen.
Und auf einmal war da etwas wie:
Verständnis. Verbindung. Entlastung.

Außerdem: Bewegungstherapie.
Ich hätte nie gedacht, wie sehr der Körper
ein Schlüssel zum Inneren sein kann.

Durch Bewegung kam ich ins Spüren.
Durch Spüren kam ich ins Zulassen.
Und durch Zulassen kam ich langsam zu mir.

In den Stunden wurde nicht einfach „Sport“ gemacht.
Es ging um Präsenz. Um Haltung. Um Körpersprache.
Und oft auch darum:
Was passiert gerade in dir?
Wo spürst du Anspannung, Enge, Wut oder Traurigkeit?
Welche Bewegung fällt dir schwer – und warum?

Plötzlich wurde sichtbar,
was ich jahrelang nicht gefühlt hatte.
Nicht im Kopf – sondern im Körper.

Und genau dort beginnt Heilung.

Dazu: Yoga. Pilates. Massagen.
Physiotherapie – aber nicht nur für den Körper,
sondern als stille Einladung:
„Du darfst dich wieder fühlen.“


Zusätzlich noch dieser Ort – der Chiemsee.
Klar. Still. Kraftvoll.
Ein Ort, der nichts fordert – aber alles erlaubt.
Wo man einfach sein kann.
Und manchmal, ganz leise,
etwas spürt, das man fast vergessen hat:
sich selbst.

Ausblick auf morgen

In meinem nächsten Beitrag geht es in die Tiefe:
Ich erzähle von meiner Einzeltherapie.
Von dem Moment,
in dem ich zum ersten Mal Kontakt zu meinem inneren Kind gespürt habe.

Ein leiser, kraftvoller Moment –
und der Anfang von etwas,
das alles verändert hat.

Amtsärztin

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