
In den ersten Tagen der Therapie in der Klinik ChiemseeWinkel war vieles vertraut –
zumindest von außen betrachtet.
Ich redete. Ich erzählte. Ich analysierte.
Von der Schule. Vom Druck. Vom Zusammenbruch.
Aber was ich sagte, blieb an der Oberfläche.
Klar. Kontrolliert. Funktionierend.
Auch in den Einzelgesprächen mit meiner Therapeutin Frau K. – S. blieb das erst einmal so.
Ich war freundlich, reflektiert, witzig, charmant –
genau wie immer, wenn es innen eigentlich brennt.
Ich sprach über Strukturen und Macht, über Verantwortung und Stress.
Aber nie über das, was es mit mir gemacht hat.
Frau K.-S. war aufmerksam, klar und feinfühlig.
Aber ich ließ sie nicht an mich heran.
Nicht, weil ich es nicht wollte –
sondern weil ich es nicht konnte.
Weil ich gelernt hatte, im Außen zu funktionieren.
Zu reden, zu erklären, zu beschwichtigen.
Aber nicht zu fühlen. Nicht zuzulassen.
Ich wich aus.
Mit Ironie. Mit Distanz.
Mit Sätzen wie:
„Ach, ich funktioniere halt irgendwie.“
Doch meine Therapeutin schaffte Momente, wie aus dem Nichts.
Sie war jemand, der Menschen sehen konnte.
Nicht nur an der Oberfläche,
sondern dort, wo es wirklich weh tut.
Sie hatte unzählige Wege, um Zugänge zum Inneren zu öffnen.
Nie mit Druck – aber mit einer Klarheit, die etwas löst.
Sie war außergewöhnlich.
Ein Profi, wie ich ihn noch nie erlebt hatte.
An diesem Tag bat sie mich, mich an den Wasserhahn zu stellen.
Ich sollte ihn aufdrehen –
so lange, wie ich es in selbst aushalten konnte.
Sie fragte, ob sie mich am Rücken halten darf.
Ich nickte.
Und drehte.
Das Wasser floss.
Und mit jeder Sekunde wurde mein Körper schwerer.
Ich spürte, wie mein Gewicht zunahm –
nicht äußerlich, sondern von innen.
Ich konnte mich kaum auf den Beinen halten.
Etwas kam näher.
Etwas, das ich so lange weggedrückt hatte.
Etwas in mir, das keine Stimme hatte –
bis jetzt.
Ich wollte stark bleiben.
Wie immer.
Aber irgendwann ging es nicht mehr.
Ich musste den Hahn zudrehen –
und brach zusammen.
Ich weinte.
Nicht ein bisschen.
Nicht gefasst.
Sondern so, wie ich es nie zugelassen hatte.
Ich lag am Boden.
Und endlich bei mir.
Ich konnte nicht sagen, was genau passiert war.
Nur, dass ich etwas berührt hatte,
was ich mein Leben lang vermieden hatte.
Es war schmerzhaft.
Beängstigend.
Und gleichzeitig:
wahr.
Vielleicht war es der erste echte Kontakt
zu dem, was man „inneres Kind“ nennt.
Nicht als Idee. Nicht als Konzept.
Sondern als etwas ganz Reales:
Verletzlich.
Lebendig.
Und endlich gesehen.
Im nächsten Beitrag erzähle ich,
was dieser Moment in mir ausgelöst hat –
und wie ich langsam begonnen habe,
dem wirklich zu begegnen,
was ich so lange verdrängt hatte.
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