
„Die Normalsten sind die Kränkesten. Und die Kranken sind die Gesündesten.“
Mit diesem Satz hat Erich Fromm vor Jahrzehnten etwas auf den Punkt gebracht, was ich in den letzten Jahren selbst immer wieder erlebt habe.
Was bedeutet „normal“?
Normal ist oft nur das, was ins System passt: funktionieren, sich anpassen, nicht auffallen. Wer stillhält, wer mitläuft, wird als gesund gesehen. Doch was, wenn das System selbst krank ist? Dann bedeutet Anpassung eben nicht Gesundheit – sondern nur, dass man sich still in eine krankhafte Struktur fügt.
Und wer gilt als krank?
Das sind oft die, die spüren, dass etwas nicht stimmt. Die, die innehalten, Fragen stellen, Widerstand leisten. Sie bekommen Etiketten: depressiv, schwierig, querulantisch. Doch genau diese Reaktionen können Zeichen innerer Klarheit sein. Sie zeigen, dass man noch fühlt, dass man sich selbst und anderen nicht alles vormachen will.
Mein persönlicher Bezug
Ich habe es unzählige Male gesagt: Es ist ein krankmachendes System.
Und genau das habe ich erfahren. Wer Missstände benennt, wer nicht schweigt, wird pathologisiert. Aktiv zu sein, Missstände sichtbar zu machen, nicht einfach mitzulaufen – all das passt nicht ins Bild eines „normalen“ Beamten. Aber ist Schweigen gesünder? Oder ist es nicht vielmehr ein Zeichen von Gesundheit, wenn man die Wahrheit ausspricht, auch wenn das unbequem ist?
Und dann die andere Erfahrung: in den Kliniken. Dort, unter Menschen, die offiziell als „krank“ gelten, habe ich so viel mehr Gesundheit erlebt. Weil man sich umeinander gekümmert hat. Weil man nicht die Maske des „Normalen“ brauchte. Weil man nicht um Status und Anpassung gekämpft hat, sondern umeinander. Dort habe ich gespürt: vielleicht sind genau wir die Normalen.
Fazit
Fromm lädt uns ein, Normalität neu zu bewerten. Gesund ist nicht die stumme Anpassung, sondern der Mut, authentisch zu leben. Wer das tut, wird leicht als „krank“ abgestempelt – und ist vielleicht gerade deshalb gesünder als die, die brav und still das System aufrechterhalten.
Und dieser Auffassung bin ich immer noch: Ich fühle, dass dieses System krank macht – und nicht nur mich alleine…
Hier das Video: