Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Die histrionische Persönlichkeitsstörung

Wenn Aufmerksamkeit zur Überlebensstrategie wird

Die histrionische Persönlichkeitsstörung (HPS) gehört zu den sogenannten Persönlichkeitsstörungen – aber was heißt das eigentlich?

Zunächst mal: Es ist keine Krankheit, kein „Defekt“. Es ist ein tief eingeprägtes Beziehungsmuster.
Ein Muster, das oft sehr früh entstanden ist. Und: ein Muster, das lange funktioniert hat – bis es nicht mehr funktioniert.


Was ist HPS?

Menschen mit histrionischen Anteilen …

  • sehnen sich nach Aufmerksamkeit und Anerkennung,
  • wirken oft emotional, dramatisch oder theatralisch,
  • haben eine intensive Wirkung auf andere,
  • sind oft reizbar, aber auch reizvoll,
  • zeigen manchmal eine übertriebene Emotionalität,
  • und leiden im Innersten oft unter einem tiefen Gefühl von Unsicherheit und Leere.

Das kann dazu führen, dass Betroffene sich anpassen, inszenieren, gefallen wollen – nicht weil sie manipulieren wollen, sondern weil sie glauben:
„Nur wenn ich wirke, bin ich sicher. Nur wenn ich gefalle, bin ich etwas wert.“


Woher kommt das?

Die Ursachen liegen häufig in der Kindheit:

  • Ein Elternteil, der nie wirklich emotional erreichbar war
  • Liebesentzug, wenn man nicht „funktioniert“ hat
  • Rollenumkehr: Man war zuständig für die Gefühle der Eltern
  • Belohnung für „besonders“ sein, aber nicht für echtes, stilles Dasein

So lernt ein Kind: Ich bin dann geliebt, wenn ich etwas darstelle.
Und genau dieses Muster prägt später das Erwachsenenleben – oft unbewusst.


Wie fühlt es sich an?

  • Tief innen eine Leere, die nicht benannt werden kann
  • Der ständige Versuch, emotional Resonanz zu erzeugen
  • Angst vor echter Nähe – weil man sich selbst nicht zeigen kann
  • Übererfüllung von Rollen: der perfekte Lehrer, die perfekte Freundin, der strahlende Gastgeber
  • Und gleichzeitig: Erschöpfung, Überforderung, Identitätsdiffusion

Was hilft?

Verständnis statt Urteil.
Therapie – am besten tiefenpsychologisch oder schematherapeutisch.
Kontakt zum inneren Kind – dem Anteil, der einmal nicht gesehen wurde.
Selbstannahme, nicht nur über Leistung oder Wirkung.
Und: der Mut, auch mal nicht zu gefallen – und sich trotzdem nicht zu verlieren.


Fazit:

Die histrionische Persönlichkeitsstörung ist keine Show, sondern eine Überlebensform.
Sie wirkt laut, ist aber oft Ausdruck eines stillen, alten Schmerzes.

Wer beginnt, hinter das Muster zu schauen, kann entdecken:
Da ist ein Mensch, der gesehen werden will – nicht für seine Wirkung.
Sondern einfach, weil er da ist.

Meine Diagnose ist kein Makel