Depression ist kein „schlechter Tag“.
Keine Laune. Keine Einbildung.
Sie ist eine leise, hinterhältige Kraft – oft unsichtbar nach außen, aber zerreißend im Inneren.
Ich möchte auf dieser Seite erzählen, wie es sich anfühlt.
Nicht klinisch. Nicht objektiv. Sondern menschlich.
Was viele nicht verstehen
Die Depression ist oft ein Meister der Tarnung.
Man funktioniert. Man lacht. Man erledigt Aufgaben.
Aber innen ist da nichts.
Oder nur: Druck. Dunkelheit. Erschöpfung.
Ein nicht greifbarer Schmerz. Eine Leere, die schwerer wiegt als jede Last.
Und weil man äußerlich weiterläuft, glauben viele:
„So schlimm kann es ja nicht sein.“
Doch genau das ist das Tückische.
Depression ist eine Erkrankung – nicht sichtbar, aber real.
Mein eigener Weg in die Tiefe
Bei mir begann es – rückblickend – nicht mit einem Knall.
Sondern schleichend. Leise. Verwirrend.
Ich konnte es zuerst nicht benennen. Ich funktionierte ja.
Ich war engagiert, kämpferisch, erfolgreich. Und doch:
Etwas in mir wurde immer schwerer.
Ich nannte es lange Anpassungsstörung – und das war es wohl auch.
Eine Reaktion auf ein System, das mir zu viel abverlangte.
Auf Konflikte, die nie gelöst wurden.
Auf Strukturen, die krank machen.
Irgendwann war es nicht mehr nur Anpassung.
Es wurde zu einer leichten, dann mittelschweren, dann – phasenweise – schweren Depression.
Die Ursachen sind vielschichtig
Bei mir kamen viele Dinge zusammen:
- Kindheitserfahrungen, die nie verarbeitet waren
- Ein hoher Anspruch an mich selbst
- Ein Arbeitsumfeld, das immer toxischer wurde
- Eine Kultur des Schweigens, der Kontrolle, der Ausgrenzung
Die Depression war nicht plötzlich da.
Aber irgendwann war sie nicht mehr wegzuleugnen.
Warum man es oft nicht merkt – und andere auch nicht
Das Fatale ist:
Depression ist nicht immer sichtbar.
Man kann mit schwerster innerer Not noch lächeln.
Mit Panik im Bauch noch unterrichten.
Mit Tränen in den Augen noch Eltern beraten.
Und selbst Menschen, die einen gut kennen, sagen dann:
„Aber du wirkst doch ganz normal.“
Genau das ist das Gefährliche.
Denn was nicht gesehen wird, wird oft auch nicht ernst genommen.
Depression ist eine Krankheit. Punkt.
Es braucht keine Triggerwarnung, keine Ausrede, keine Entschuldigung.
Es ist okay, sich nicht okay zu fühlen.
Es ist okay, Hilfe zu brauchen.
Und es ist notwendig, dass wir aufhören, Depression zu tabuisieren – vor allem im öffentlichen Dienst, wo Funktionieren oft wichtiger scheint als Fühlen.
Und jetzt?
Ich habe gelernt, über meine Depression zu sprechen.
Nicht um Mitleid zu bekommen. Sondern um ehrlich zu sein.
Um zu zeigen: Es kann jede:n treffen. Auch die Engagierten. Die Perfektionisten. Die Stillen. Die Lauten. Die Starken. Die Gute-Laune-Bären.
Ich bin nicht „krank“ im Sinne von kaputt.
Ich bin verwundet.
Aber ich heile.
Langsam.
Und sichtbar.