Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

Als ich die versteckten Akten fand

Ich weiß es noch genau: der 19. November 2024. Ein Tag, an dem mir klar wurde, wie tief die Probleme wirklich reichen.

Der Weg dorthin

Im August 2023 beantragte das Staatsministerium meine Versetzung an die Realschule Kösching beim Verwaltungsgericht (lies dazu das: Meine Versetzung). Nur einen Monat später wurde ich ins Verbot der Führung der Dienstgeschäfte gesetzt. Das Versetzungsverfahren lag dann ein ganzes Jahr unbewegt beim Gericht. Schließlich zog das Ministerium den Antrag zurück. Auffällig: Nicht ich, sondern der damalige Schulleiter wurde zum 01.09.2024 ohne offizielle Ausschreibung der Stelle „auf eigenen Wunsch“ an eben jene Realschule Kösching versetzt. Der dortige Schulleiter wiederum, der seine Schule erfolgreich führte, musste nach Beilngries wechseln (lies dazu auch das: Prolog Teil 1: Nicht gegen Menschen – gegen ein krankmachendes System)

Frühere Akteneinsichten

Frühere Akteneinsichten

Schon am 22.10.2019 nahm ich erstmals Einsicht in meine Personalnebenakte – damals beim Gericht, im Rahmen meiner Klage gegen die dienstliche Beurteilung von 2018.
Warum? Weil dieser Schulleiter mir sämtliche Verwendungseignungen strich, die mir 2014 noch zugesprochen wurden und mir Beförderungsmöglichkeiten eröffnet hätten. Einfach gestrichen wurden unter anderem:

  • „Mitglied der erweiterten Schulleitung“
  • „Ständiger Mitarbeiter in der Schulleitung“
  • „Systembetreuer“
  • „Seminarlehrkraft für die Fächer Musik und Sport“

Natürlich klagte ich vergeblich gegen diese Beurteilung. Das Narrativ eines „schwierigen Lehrers“ war von diesem Schulleiter längst gegenüber dem Ministerium und dem Gericht etabliert – und spiegelte sich über Jahre hinweg in meiner Personalakte. Schon damals stellte ich fest: Bestandteile fehlten.

Weitere Einsichtnahmen folgten: am 31.03.2023, am 01.08.2023 und am 09.07.2024. Jedes Mal dasselbe Bild: Unterlagen fehlten. Immer vor Ort: der ehemalige Schulleiter. Ich schrieb Dienstaufsichtsbeschwerden, meldete an die interne Meldestelle, informierte den Landesdatenschutzbeauftragten. Doch alles blieb ohne Wirkung.

Der Moment der Wahrheit

Am 19.11.2024 konnte ich unter dem neuen Schulleiter erstmals wieder in die Akten schauen. Gegen kurz vor 12 Uhr sagte ich zum Konrektor, der die Einsicht begleitete, dass unzählige Bestandteile fehlten. Ich bat ihn und den neuen Schulleiter, bitte nachzusehen.

Zehn Minuten später wurden mir zwei unbeschriftete Ordner vorgelegt. Auf Nachfrage hieß es, sie seien „quer hinter den Personalnebenakten anderer Mitarbeiter“ gelegen. Versteckt (Fotos meiner Personalakteneinsichtnahme vom 19.11.2024: Versteckte Ordner)

Was das bedeutet

Über zehn Jahre Unterlagen – nicht zugänglich, nicht auffindbar, nicht Bestandteil meiner Personalakte. Wenn man so lange Akten zurückhält, geschieht das nicht zufällig. Das geschieht mit System – vielleicht sogar mit Vorsatz.

Und wenn ein Ministerium durch meine Beurteilungsklage seit spätestens 2020 darüber informiert ist und dennoch nichts unternimmt, dann verletzt es die Fürsorgepflicht gegenüber seinen Beamten. Ist möglicherweise sogar meine Beurteilung von 2018 nicht rechtsmäßig erstellt worden? Meine Karriere war mit der Beurteilung von 2018 auf alle Fälle vorbei. Denn – bis heute habe ich keine weitere Beurteilung erhalten.

Wie es weitergeht

Was ich in diesen Ordnern entdeckt habe, werde ich im nächsten Beitrag ausführlich darstellen. Nur so viel: Es sind keine Kleinigkeiten. Es sind Dokumente, die mein dienstliches Schicksal über Jahre beeinflusst haben – und die mir systematisch vorenthalten wurden.