
In meinem jüngsten amtsärztlichen Gutachten (August 2025) tauchen Worte auf, die für Außenstehende vielleicht befremdlich klingen:
agitierte Depression.
Persönlichkeitsstörung.
Begriffe, die oft nur in Fachkreisen kursieren, und die im Alltag leicht zu Missverständnissen führen. Festgestellt wurde das von einem renommierten Facharzt, für Psychiatrie/Psychotherapie, DGPT Traumatherapie, Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie und Facharzt für Neurologie – der gutachterlich für das Landratsamt Neu-Ulm tätig ist.
Eine Depression, die nicht ins Klischee passt
Die übliche Vorstellung von Depression ist: antriebslos, still, zurückgezogen.
Bei einer agitierten Depression ist es anders: Die Unruhe, die innere Zerrissenheit, die Sprunghaftigkeit stehen im Vordergrund. Gefühle wechseln schnell – von Traurigkeit über Gereiztheit bis hin zu überschwänglicher Energie. Nach außen wirkt das oft unverständlich oder sogar widersprüchlich.
Das Gutachten beschreibt mich so: lebhaft, expressiv, kämpferisch, aber gleichzeitig weinend, verzweifelt, überfordert. Ein schwerer Spagat – und schwer einzuordnen.
Persönlichkeitszüge, die nicht „wegtherapiert“ werden können
Hinzu kommt eine kombinierte Persönlichkeitsstörung. Sie prägt meine Wahrnehmung, meine Art, Konflikte zu verarbeiten, meine Impulse.
Das lässt sich nicht einfach mit Medikamenten oder Gesprächen „heilen“ – im Sinne von „ganz beseitigen“. Aber: Gespräche und Begleitung können so viel bewirken, dass ich stabil, belastbar und arbeitsfähig bleibe. Ich habe jahrelang ohne Symptomatik vorzüglichen Dienst geleistet (lies dazu: Von voller Belastbarkeit zur Krankheit – meine gesundheitliche Entwicklung).
Meine kombinierte Persönlichkeitsstörung ist ein Teil von mir – mit Stärken und Schwächen. Ich bin leidenschaftlich, kämpferisch, direkt. Aber auch verletzlich, empfindlich und manchmal ungeduldig.
Schreiben als Heilung, nicht als Querulanz
In diesem Spannungsfeld ist mein Blog entstanden.
Nicht, weil ich „querulantisch“ wäre, sondern weil Schreiben für mich eine Form der Selbstheilung ist. Auch das wurde mir fachärztlich angeraten.
Es gibt mir Struktur, es ermöglicht Reflexion. Es macht sichtbar, was sonst im Verborgenen bleiben würde: Missstände, persönliche Erfahrungen, innere Kämpfe.
Das Gutachten sagt es selbst: Meine Depression ist nicht nur eine Krankheit, sondern Ausdruck meiner Persönlichkeit, meiner Geschichte, meiner Belastungen. Der Blog ist meine Art, diese Spannungen zu verarbeiten.
Und genau hier liegt der eigentliche Skandal: Der Dienstherr hat diese Konflikte selbst mitverursacht – durch Mobbing, fehlerhafte Aktenführung und jahrelange Untätigkeit. Gleichzeitig wurden und werden mir bis heute die Gespräche und Klärungsprozesse verweigert, die laut Amtsärzten für meine Stabilität und eine Rückkehr in den Dienst notwendig wären. Der Dienstherr trägt Verantwortung für meine Erkrankung, verweigert aber jede Aufarbeitung. Mein Blog ist das Ergebnis dieser Untätigkeit. Man möge sich vorstellen: Auf meine beiden Schreiben vom 16.11.2023 (Diskriminierung_16.11.2023) und 29.12.2023 (Falschaussagen_29.12.2023) reagierte der Dienstherr nicht. Die beiden Schreiben liegen seit fast zwei Jahren ohne Reaktion beim „Hohen Haus“. Ich bat um Rehabilitation – mehr nicht.
Ein Missverständnis mit Folgen
Doch statt diese kreative Form als Teil eines Genesungsprozesses zu verstehen, wird mir der Blog jetzt zum Vorwurf gemacht. Man wirft mir vor, damit dem Berufsbeamtentum zu schaden.
Tatsächlich ist es genau umgekehrt: Mein Blog ist eine geschützte Form der Meinungsäußerung (Art. 5 GG, Art. 10 EMRK) und Teil meines Heilungsverlaufs. Das offene Sprechen über Schwierigkeiten, über Krankheit und über Missstände ist nicht ein Angriff auf das System, sondern eine Voraussetzung für Heilung – für mich persönlich und für ein System, das ohne Aufarbeitung krank bleibt.
Nicht die Missstände und Vertuschungen schaden dem Berufsbeamtentum, sondern die Sanktionierung dessen, der sie öffentlich macht.
Tatsächlich ist es auch so: Das offene Sprechen über Schwierigkeiten, über Krankheit und Missstände ist der einzige Weg, Heilung zu finden – für mich und vielleicht auch für ein krankes System.
Mein Fazit
Ich schreibe, um gesund zu bleiben.
Ich schreibe, um Missstände sichtbar zu machen.
Ich schreibe, weil ich nicht schweigen kann – und weil Schweigen krank machen würde.
Nicht das Schreiben ist krankhaft.
Sondern das Schweigen.
Ich weise noch einmal ausdrücklich darauf hin: Auch Gespräche könnten für eine Heilung sorgen. Und die biete ich dem Dienstherrn, wie so oft, erneut hier an.
Angebot an das Staatsministerium
Wie bereits am 07.04.2025 veröffentlicht, werde ich diesen Blog sofort beenden, sobald das Staatsministerium seine Abschottungshaltung aufgibt und endlich in Verhandlungen eintritt.
Hier ist der Beitrag vom 07.04.2025:
Teil 3 – Mein Angebot an das Staatsministerium