Verwundet im Dienst

Wie das System mich krank machte – und trotzdem aufrecht

9 Tage Frieden – und das, was wir wirklich lernen sollten

Nur noch neun Tage.
Ab dann werde ich wieder berichten – bedeutet: Bis heute gibt es keinerlei Bewegung.
Ich bin mir nicht sicher, warum.
Denn ich kann es einfach nicht nachvollziehen, warum man sich nicht einfach an einen Tisch setzen kann, um über Dinge zu sprechen.

Es geht ja nicht um eine Aufrechnung:
Das hast du falsch gemacht, das habe ich falsch gemacht.
Das wäre absurd.
Es geht um eine tragfähige Lösung für alle Beteiligten.

Und genau da beginnt das Thema, über das wir in der Schule viel zu selten reden – und noch seltener leben: Fehlerkultur.
Fehler sind menschlich. Dieses System braucht wieder Menschlichkeit.

Wir reden hier von Schule – einem Ort, an dem wir den Schülern beibringen wollen, dass Fehler zum Lernen gehören.
Doch was tun wir wirklich?
Wir bewerten sie, zählen sie, markieren sie rot, reiben sie ihnen unter die Nase.
Wir schauen auf das, was falsch ist – anstatt auf das, was richtig war.
Das ist keine Fehlerkultur, das ist eine Fehlerfixierung.

Und wenn ich ehrlich bin:
Wie schwer fällt es auch uns Lehrern, Fehler einzugestehen?
Ich habe das bei meinen eigenen Kindern erlebt – wie verletzlich man sich fühlt, wenn man sagt: „Das war mein Fehler.“
Kein Mensch ist unfehlbar.
Nicht die Schüler, nicht die Lehrer, nicht die Schulleiter –
und auch nicht die Ministeriellen.

Und ist das ein Problem? Nein.
Ein Problem wird es erst, wenn man so tut, als gäbe es keine.
Ein System, das Fehler vertuscht, ist nicht stark – es ist ängstlich.

Echte Verantwortung bedeutet:
Fehler einzugestehen, daraus zu lernen, Verantwortung zu übernehmen,
Mund abwischen – und es besser machen.
Das verdient Respekt, nicht Strafe.

Denn jeder Mensch verzeiht Fehler –
aber ein System, das sie vertuscht, verliert Vertrauen.
Wenn oben vertuscht wird,
wandern die Fehler nach unten –
und am Ende trifft es die, die am wenigsten dafür können: die Schüler.

Sie spüren, wenn Ehrlichkeit fehlt.
Sie spüren, wenn Angst den Mut ersetzt.
Und sie lernen, dass man Fehler lieber versteckt, statt sie zu verstehen.

Ich bin bereit, meine Fehler offenzulegen –
vor dem Kollegium, vor den Ministeriellen
und, wenn es dann sein muss, zuletzt auch vor Jehova.

Aber reden müssen wir.
Denn wer nicht über Fehler sprechen kann,
verurteilt andere dazu, sie immer wieder zu machen.

Und manchmal betrifft das nicht nur das System.

Sondern auch uns selbst – in Beziehungen.

Auch da braucht es Mut, über Fehler zu sprechen.

Und jemanden, der zuhört, ohne gleich zu fliehen

Hier einige Beiträge, die ich in der Vergangenheit bereits veröffentlicht habe und sich mit „Fehlern“ beschäftigen:

Text vom 05.05.2025 – der Text wurde an diesem Tag an Frau Staatsministerin geschickt: TELEPROMPTER-TEXT vom 05.05.2025

Text vom 07.05.2025: Fehlende Fehlerkultur in der Verwaltung