
Manchmal frage ich mich, warum man mir gegenüber so handelt, wie man handelt. Ich finde darauf nur eine Erklärung. Weil man sich nicht eingestehen will, dass man möglicherweise jemanden zum Schulleiter gemacht hat, der nicht wusste – oder nicht wissen wollte – wie man sich korrekt verhält.
Bei uns an der Schule galt ein ungeschriebenes Gesetz: „Ich bin Schulleiter, ich darf das.“ Danach wurde gehandelt. In diesem Geist passierten Dinge wie das Lesen fremder Mails, das Durchsuchen eines Autos, das Führen geheimer Listen oder das Führen von Personalakten nach Gutdünken.
Als ich 2020 in einer Fortbildung für Personalräte das erste Mal von außen gespiegelt bekam, was bei uns lief, hieß es klar: „Normalerweise wäre das ein Fall für Amtsenthebung und Entfernung aus dem Beamtenverhältnis.“ Doch dazu kam es nie. Stattdessen wurde ein anderer Weg eingeschlagen: Wer Missstände benennt, wird krank und kaputt gemacht. Seit 2019, seit ich diese Vorgänge gemeldet habe, läuft die Eskalation gegen mich. Seit meinen Meldungen nach dem Hinweisgeberschutzgesetz im Jahr 2023 hat sie sich noch einmal verschärft – systematisch, massiv, zerstörerisch.
Und trotzdem: Ich bin immer noch da. Ich stehe immer noch.
Der Unterschied zu Gustl Mollath ist offensichtlich: Bei ihm ging es um Millionenbeträge und einen Finanzskandal, der eine ganze Justiz erschütterte. Bei mir „nur“ um einen Schulleiter, um das Weglegen von Akten, um das Ignorieren klarer Vorschriften. Eine Kleinigkeit, möchte man meinen. Aber genau darin liegt das eigentlich viel Schlimmere: Wenn schon in den kleinen Dingen Gesetze gebrochen, Akten zurückgehalten und Verfahren verweigert werden – wie sieht es dann erst in den großen Fällen aus?
Und vielleicht ist das eigentlich noch viel Schlimmere: Dass mir diese Dinge – Mails lesen, Autos durchsuchen, Akten verstecken – inzwischen fast egal sind. Nicht, weil sie unwichtig wären, sondern weil ich mich längst daran gewöhnt habe, dass sie in diesem System passieren.
Was mir nicht egal ist: dass ich am Ende der Einzige bin, der dafür den Preis zahlt. Ich bin zum Opfer gemacht, ich habe meinen Ruf verloren, ich werde als das große Problem dargestellt. So, als ginge es nur um mich – dabei ist längst klar, dass es nie nur um mich ging.
Ich wollte von Anfang an nur eines: dass man endlich mit mir darüber spricht. Dass man mit mir gemeinsam eine Lösung findet. Auch im April 2025 habe ich bewusst versucht, das Ministerium direkt – außerhalb meines Blogs – mit Schreiben zu erreichen. Im Blog habe ich in diesem Zeitraum gerade nicht gekämpft, nicht angeklagt, sondern positive Erinnerungen geteilt, die guten Seiten der Schulzeit hervorgehoben (siehe Link). Alles mit der Hoffnung, in einen Dialog zu kommen. Doch selbst das wurde ignoriert.
Und dass das Ministerium dann genau diese Schreiben von April 2025 auch noch nicht dem Gericht vorlegt – in einem Verfahren, in dem es exakt um diesen Zeitraum geht – das macht mir noch größere Angst als alles andere. Schaut einfach Rn. 47 des Urteils an (siehe Link). Es zeigt genau eines: Nicht einmal dort, wo Recht und Aufklärung garantiert sein sollten, darf alles auf den Tisch kommen. Das Ministerium und ich wissen – der berühmte Leitz-Ordner über den ich hier schon öfter geschrieben habe (siehe Link), wurde dem Gericht nicht vorgelegt und befindet sich auch nicht beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (siehe Link)
Mollath und ich! Die Methoden sind dieselben: verschweigen, verdrängen, vertuschen.
Das macht mir Angst. Große Angst. Und es muss endlich ausgesprochen werden.